Kommentar: Ein Schutz für den Menschen

Stefan Rehder. Foto: DT
Stefan Rehder. Foto: DT

Der erste „Bericht zur weltweiten Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit“ zeichnet ein besorgniserregendes Bild. Das 72-seitige Dokument, das gestern im Bundestag debattiert wurde, listet beispielhaft die Verletzung dieses Menschenrechts in ausgewählten Staaten auf. Dazu gehören nicht nur die Repressalien gegenüber Andersgläubigen in Ländern, die den Islam als Staatsreligion pflegen, sondern auch die Bedrohungen, denen religiöse Minderheiten etwa in Südostasien ausgesetzt sind, wie auch Kleidungsverbote in Frankreich, Belgien oder China. Die Autoren des Berichts kommen zu dem Schluss, dass weltweit Menschen bei der Ausübung ihrer Religion eingeschränkt sind.

Das Menschenrecht auf Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Weltanschauungsfreiheit, wie es vollständig heißt, ist unter anderem in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) und in Artikel 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (1966) verankert. Die Mehrzahl der Verfassungen weltweit garantiert ein Recht auf Religionsfreiheit – oftmals jedoch in unterschiedlichen Ausformungen und mit zum Teil widersprüchlichen Formulierungen. Viele Staaten kommen demnach ihrer Pflicht zum Schutz der Religionsfreiheit nicht nach. Meist zeigt sich zudem, dass in Ländern, wo die Religionsfreiheit mit Füßen getreten wird, auch andere Freiheitsrechte eingeschränkt sind.

In einer Welt, in der zunehmender Hass auf Menschen ausgerechnet mit Religionszugehörigkeiten begründet und Religion für menschenfeindliche Handlungen instrumentalisiert wird, muss es Aufgabe eines jedes Einzelnen sein, entschieden gegen Hetze, Hassreden und religiös motivierte Kriminalität vorzugehen. Denn das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist ein individuelles Freiheitsrecht. In dessen Zentrum steht der Mensch mit seiner Würde und seinen inneren Überzeugungen. Das heißt: Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit schützt nicht die Religion an sich, sondern den gläubigen, beziehungsweise den nicht-gläubigen Menschen.