Kommentar: Ein Hauch von Destabilisierung

Von Guido Horst

Guido Horst
Guido Horst. Foto: DT
Guido Horst
Guido Horst. Foto: DT

Der ursprünglich im Zuge der Finanzreform des Vatikans berufene Generalrevisor behauptet nun in Interviews, er sei unter Druck zum Rücktritt gezwungen worden und habe in seiner Eigenschaft als Revisor Einblick in Kontenbewegungen gehabt, die manchem in der Kurie hätten gefährlich werden können (siehe Seite 4). Der Prozess gegen die ehemaligen Manager des vatikanischen Kinderkrankenhauses hat soeben Medienberichte bestätigt, denen zufolge die mit den veruntreuten Stiftungsgeldern bezahlte Renovierung der Ruhestands-Wohnung von Kardinal Tarcisio Bertone gleich zwei Mal bezahlt wurde. Es geht um Hunderttausende von Euros.

Der Präfekt der Glaubenskongregation verliert seinen Job und der Rat der neun Kardinäle, die den Papst bei der Kurienreform beraten, hat sich zum x-ten Mal getroffen, ohne weitere Ergebnisse vorlegen zu können. Einer der Mitglieder, Kardinal Georg Pell, einst der Kopf der vatikanischen Finanzreform, muss sehr wahrscheinlich in seiner australischen Heimat einen Missbrauchs-Prozess über sich ergehen lassen, von dem er kaum nach Rom zurückkehren dürfte. Und um das Ganze noch zu krönen, bezichtigt eine Gruppe hartgesottener Franziskus-Kritiker den Papst der glatten Häresie (was etwas anderes ist als „dubia“, Zweifel). Und der einzige Bischof, der seine Unterschrift unter die Anklageschrift setzt, ist ausgerechnet der Pius-Obere Bernard Fellay, womit er den Aussöhnungsprozess seiner Bruderschaft mit Rom ziemlich torpediert haben dürfte. Was für Zeiten! Dagegen war ja der Vatileaks-Skandal unter Benedikt XVI. eine müde Posse.

Hat Franziskus die Kurie noch im Griff oder ist sie ihm entglitten? Schon schreiben die ersten, der Papst fahre den Vatikan absichtlich gegen die Wand, um ihn am Ende abzuschaffen und das Kardinalskollegium gleich mit. Von irgendwo leite er dann die Kirche mit den Bischöfen synodal. Über solche Auswüchse der Gerüchteküche muss man sich nicht wundern. Die Verunsicherung wächst und ein Hauch von Destabilisierung weht durch den Vatikan.