Kommentar: Der Westen rechnet mit Assad

Von Oliver Maksan

Von einem militärischen Wendepunkt des ins vierte Jahr gehenden Syrienkonflikts hat Syriens Präsident Baschar Al-Assad jetzt gesprochen. Seine Armee sei dabei, den Krieg gegen die Terroristen zu gewinnen. Bis zum Ende des Jahres rechne er damit, dass der Hauptteil der militärischen Aktionen abgeschlossen sein werde. Noch vor ein paar Monaten hätte dies wie ein schlechter Witz und als Parodie auf die Wirklichkeit geklungen. Doch die Gewichte haben sich zu Assads Gunsten verschoben.

Schien es über 2012 und noch in der ersten Hälfte von 2013 so, als ob der militärische Zusammenbruch des Regimes unmittelbar bevorstünde oder nur noch eine Frage der Zeit sei, hat sich dies mittlerweile entscheidend geändert. Assad hat es vermocht, sein Überleben zu sichern. Von Anfang an alles auf die Karte der Gewalt gesetzt zu haben, hat sich für ihn bezahlt gemacht. Der Kollaps seiner Herrschaft ist dabei vor allem aufgrund tatkräftiger Unterstützung durch die Hisbollah, den Iran und Russland abgewendet. Anders als der Westen haben sie ihren Worten stets Taten – das heißt Waffen und Kämpfer – folgen lassen. Sicher, aufgrund taktischen Rückzugs aus weiten Teilen des Landes und erlittener Niederlagen anderenorts kontrolliert das Regime nurmehr etwa vierzig Prozent der Fläche Syriens. Doch es ist dabei, sein Territorium zu konsolidieren – etwas, was der Opposition aufgrund fehlender effektiver Luftabwehr nicht gelingen wird. Denn systematisch macht Assads Luftwaffe, die den Himmel über Syrien kontrolliert, die von den Rebellen gehaltenen Gebiete unregierbar. Trotz der neuen Zuversicht des Regimes wäre es aber auch falsch zu glauben, der Syrienkonflikt könnte bald durch einen militärischen Sieg der Regierung beendet werden. Vielmehr muss man sich auf Jahre fortdauernder Gewalt einstellen. Die amerikanisch-russische Eiszeit, die Zersplitterung der Opposition und ihrer regionalen Unterstützer spielen Assad dabei mittelfristig in die Hände. Er ist eine Realität, mit der auf Jahre hin zu rechnen sein wird. Im Westen weiß man das längst.