Kommentar: Der Papst und die Flüchtlinge

Von Guido Horst

Guido Horst
Guido Horst. Foto: DT

Das Wort des Papstes wiegt, vor allem, wenn er von Flüchtlingen spricht. Als Ende August die Botschaft von Franziskus zum Weltmigrantentag erschien, war die Kernbotschaft für viele doch recht unverdaulich. Denn die lautete unmissverständlich, in jedem Fremden eine Gelegenheit zur Begegnung mit Jesus Christus zu sehen und alles zu tun, um Flüchtlinge aufzunehmen, zu schützen und zu fördern. Das war sozusagen die grundsätzliche Weisung an jeden Christen.

Jetzt, vor Journalisten auf dem Rückflug von Kolumbien nach Rom, hat Franziskus diese Weisung differenziert (siehe Seite 7). Nun sprach er die Regierenden an und meinte, dass diese die Herausforderungen durch die Flüchtlingsströme mit der Tugend der Besonnenheit lösen müssen. Die Politik solle auch fragen: Wie viele Fremde kann unser Land aufnehmen? Und können wir die auch alle integrieren? Das klingt dann schon etwas realistischer und nicht ganz so apodiktisch, wie es in der Botschaft zum Migrantentag geklungen hatte. Das heißt, die Regierenden haben nicht nur eine Verantwortung für die, die als Migranten an die Türe klopfen, sondern auch für die, die im eigenen Land schon leben.

Wir haben nun einmal einen Papst, dessen Haltung zu drängenden Fragen der Zeit nicht immer einem einzigen Dokument oder lehramtlichen Text zu entnehmen ist. Da muss man bisweilen mehrere Aussagen zusammennehmen, auch solche, die er in freier Rede äußert wie jetzt bei der fliegenden Pressekonferenz. Somit empfiehlt sich auch für die, die jede Aussage von Franziskus verfolgen, eine gewisse Besonnenheit: Nicht jeden starken Satz als „ultima ratio“ zu lesen, als „Roma locuta, causa finita“. Die gerade in zeitlichen Fragen nötige Differenzierung kommt dann oft etwas später – wie jetzt geschehen. Wie gesagt, das gilt für die Fragen der Zeit wie in diesem Fall die Flüchtlingspolitik. Gerade die Medien, aber auch manche Interessengruppen neigen dazu, die Stimme des Papstes zu instrumentalisieren. Doch für jeden, der klug ist, empfiehlt sich dort, wo der Papst nicht unfehlbar spricht, ein gewisses Maß an Verblüffungsresistenz.

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