Washington, D.C.

Kommentar: Das Impfstoffrennen

Die Gefahr, dass bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff Standards gesenkt werden könnten, ist keineswegs gering. Da zeigt auch die jüngste Warnung der US-Bischöfe.

Die Gefahren eines Corona-Impfstoffes
Der Druck, der bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff auf Forschern und Unternehmen lastet, ist immens. Nicht nur, weil, bis ein solches Serum zur Verfügung steht, auch Menschen sterben, die dank ihm überleben könnten. Foto: RICHARD MORAN PHOTOGRAPY LTD 15 (GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG)

Die Jagd nach einem Impfstoff gegen das Virus SARS-CoV-2 ist in vollem Gange. Mehr als 70 Forscherteams auf der ganzen Welt verfolgen derzeit etwa ein Dutzend verschiedener Ansätze, um geeignete Kandidaten zu identifizieren. Der Druck, der dabei auf Forschern und Unternehmen lastet, ist immens. Nicht nur, weil, bis ein solches Serum zur Verfügung steht, auch Menschen sterben, die dank ihm überleben könnten. Sondern auch, weil den Siegern viel Ruhm und Geld winken.

Gefahr, dass Standards gesenkt werden

Wer nicht unmäßig romantisch veranlagt ist, weiß, dass die Gefahr, dass dabei Standards gesenkt oder Daten zurechtgebogen werden könnten, keineswegs gering ist. Zumal die Herstellung von Impfstoffen ein Feld darstellt, auf dem viele, die es bestellen, Ethik ohnehin klein schreiben. So klein, dass die Römische Glaubenskongregation ihm in der Instruktion "Dignitas personae" 2009 ein eigenes Kapitel widmete. Unter Rückgriff auf die Enzyklika "Evangelium vitae" Johannes Pauls II. wird dort die Herstellung von Impfstoffen unter Verwendung von Zellen, die dem Gewebe ungeborener Kinder entstammen, als "schweres sittliches Vergehen" klassifiziert. Als "Verbrechen", das deren "Würde als menschliche Geschöpfe, die das Recht auf dieselbe Achtung haben, die dem bereits geborenen Kind und jeder Person geschuldet wird" missachte.

Der Ruf des Lebensschützers im Weißen Haus ist ramponiert

Dass die US-amerikanischen Bischöfe die zuständige Aufsichtsbehörde auffordern, sicherzustellen, dass bei der Herstellung des Impfstoffs nur ethisch akzeptable Zelllinien Verwendung finden, zeigt, dass sich an dieser Praxis nicht Entscheidendes geändert hat. Mehr noch: Dass das US-Gesundheitsministerium einen Vertrag mit einem Unternehmen schloss, das unter Verwendung einer ethisch zu beanstandenden Zelllinie einen Impfstoff zu entwickeln sucht, dürfte das Image "des stärksten Verteidigers im Weißen Haus", den ungeborene Kinder je hatten, gewaltig ramponieren. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn Katholiken am Ende gezwungen würden, sich mit einem solchen Serum impfen zu lassen, um kein Risiko für die Gesundheit anderer darzustellen.

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