Kommentar: CSU setzt auf den Weber-Effekt

Es geht aber nicht nur um Patriotismus: Manfred Weber hat eine Idee von Europa. Von Stephan Baier

Manfred Weber wirkt nachdenklich, gar nicht schrill, polemisch oder populistisch. Weber analysiert und argumentiert. Und er hat sich mit Intelligenz, Beharrlichkeit und Fleiß in die erste Reihe vorgearbeitet: zuerst in der christdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament, dann in der christdemokratischen Parteienfamilie Europas, jetzt in seiner Partei, der CSU. Mögen andere um Posten in Berlin und München ringen – Weber geht seinen Weg als Europapolitiker. Der katholische Niederbayer will die Nachfolge Junckers als EU-Kommissionspräsident antreten. Dafür hat ihn die christdemokratische EVP zu ihrem EU-weiten Spitzenkandidaten gekürt, dafür gab ihm die CSU am Samstag Schützenhilfe, indem sie ihn an die Spitze ihrer Europa-Liste stellte.

Auch andere bewährte Europapolitiker finden sich auf dieser Liste: von der bienenfleißigen Angelika Niebler über den schwäbischen Wirtschaftsexperten Markus Ferber bis zum außenpolitischen Schwergewicht Bernd Posselt. Der fiel 2014 nach 20 Jahren wegen eines miserablen CSU-Resultats aus dem Europaparlament, arbeitete aber wie ein ehrenamtlicher Europaabgeordneter unbeirrt weiter. Am Samstag erkämpfte sich der Paneuropa-Präsident das Ticket zurück in jenes Parlament, das er seit 1979 unablässig werbend und wirkend begleitete.

Die Wirren der Bundespolitik sind vergessen, die CSU setzt auf den Weber-Effekt: Jetzt oder nie kann ein Bayer an die Spitze der EU-Kommission gelangen und der europäischen Politik seinen Stempel aufdrücken. Das mobilisiert die CSU-Wahlkämpfer und vielleicht auch das bayerische Wahlvolk. Es geht aber nicht nur um Patriotismus: Manfred Weber hat eine Idee von Europa, ist zutiefst von der christlichen Soziallehre geprägt und steht zu seiner katholischen Identität. Ein Hoffnungsträger für alle, die sich schon lange über eine politische Klasse ärgern, die Europas christliche Wurzeln ignoriert.