Koalition will Ehen erst ab 18 erlauben

Zeitungsbericht spricht von Beschluss noch in diesem Jahr – Christliche Kirchen mangels Fällen kaum betroffen

Eid al-Fitr in Bangladesh
Ein Mädchen beim Eid al-Fitr-Gebet in Bangladesch. Muslimische Kinder sind besonders von Früh-Ehen betroffen. Foto: dpa
Eid al-Fitr in Bangladesh
Ein Mädchen beim Eid al-Fitr-Gebet in Bangladesch. Muslimische Kinder sind besonders von Früh-Ehen betroffen. Foto: dpa

Stuttgart (DT/KNA/dpa) Im Kampf gegen Kinderehen sollen nach dem Willen der Regierungsfraktionen von CDU und SPD im Deutschen Bundestag offenbar islamische Geistliche künftig keine Minderjährigen mehr trauen dürfen, so ein Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“ vom Mittwoch. Hintergrund sei die im Zuge der starken Zuwanderung von Muslimen deutlich gestiegene Zahl von Kinderehen in Deutschland – inzwischen leben nach jüngsten Erhebungen fast 1 500 verheiratete Kinder und Jugendliche hier, meldet die Deutsche Presse Agentur (dpa).

„Wir wollen, dass unter 18 Jahren keine religiösen Trauungen mehr vorgenommen werden“, sagte der Heidelberger CDU-Fraktionsvize Stephan Harbarth der Stuttgarter Zeitung. Ein entsprechendes Verbot soll nach seinen Angaben noch in diesem Jahr von den Regierungsfraktionen beschlossen werden.

Das Schließen von Kinderehen könnte demnach in Deutschland künftig mit einem Bußgeld geahndet werden. „Man muss das möglicherweise auch mit einer Sanktion belegen“, sagte Harbarth. Das Verbot würde für alle Religionen gelten, sei aber für die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland kaum von Bedeutung.

„Es gibt eine hohe Dunkelziffer“

„Die evangelische und die katholische Kirche sagen uns: Nach ihren Erhebungen gibt es bei ihnen in Deutschland keine Eheschließungen unter 18 Jahren.“

Was die Muslime in Deutschland angehe, habe man bisher keine belastbaren Zahlen. „Mein Eindruck ist: es gibt eine hohe Dunkelziffer“, so Harbarth.

Ende September hatte der Freiburger Kirchenrechtler Georg Bier der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) gesagt, dass zwar das weltweit geltende katholische Kirchenrecht als Mindestalter lediglich 14 Jahre für Mädchen sowie 16 Jahre für Jungen vorschreibe.

In Deutschland gebe es aber so gut wie keine kirchlichen Ehen von Minderjährigen. Ihm sei „nicht bekannt, dass auch nur ein katholischer Bischof in Deutschland Ehen von Minderjährigen befürworten würde“. Einer zu frühzeitig geschlossenen Ehe stehe auch die kirchliche Haltung entgegen, dass nur heiraten solle, „wer sich gut vorbereitet hat und die entsprechende Reife besitzt“.

Den „Stuttgarter Nachrichten“ zufolge will die Koalition das Mindestalter für standesamtliche Trauungen auf 18 Jahre festlegen. Im Ausland geschlossene Ehen sollten demnach in Deutschland künftig nur noch anerkannt werden, wenn beide Partner zum Zeitpunkt der Eheschließung erwachsen waren.