„Kein harmloses Präparat“

Die Christdemokraten für das Leben (CDL) sind gegen eine Rezeptfreigabe der „Pille danach“ von Stefan Rehder

, Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL). Foto: CDL
, Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL). Foto: CDL
Bundesgesundheitsminister Gröhe hat nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) erstmals seine Bereitschaft erkennen lassen, die „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Die CDL lehnt das ab, warum?

Die „Pille danach“ ist kein harmloses Verhütungspräparat, sondern ein hoch dosiertes Hormonpräparat, dessen Einnahme die Gesundheit von Frauen gefährden kann und Frühabtreibungen nicht sicher ausschließt. Gefordert wird die Rezeptfreigabe der „Pille danach“ seit längerem vehement vor allem von denen, die auch als Befürworter von Abtreibung bekannt sind. Aktuell geht es um zwei Präparate: eines auf Basis von Levonorgestrel (LNG) und ein anderes auf Basis von Ulipristalacetat (UPA). Beide sind bislang in Deutschland rezeptpflichtig. Das ist doch nicht grundlos so. Die LNG-Pille enthält beispielsweise eine Hormondosierung, die in etwa der monatlichen Gesamtdosis einer gängigen Verhütungspille entspricht. Schon jetzt wird sie immer häufiger selbst Minderjährigen verschrieben. Zudem ist bei ihr, genauso wie bei der UPA-Pille, keinesfalls ausgeschlossen, dass neben einer möglichen Gefährdung der Frauen auch ein bereits gezeugter Embryo geschädigt beziehungsweise abgetrieben wird. Bei der UPA-Pille „Ella One“, die erst seit wenigen Jahren am Markt ist, ist dies sogar besonders wahrscheinlich, da der Wirkstoff chemisch mit dem verwandt ist, der bei der Abtreibungspille Mifegyne zum Einsatz kommt.

Sowohl die EMA als auch der Hersteller von „Ella one“ berufen sich aber auf Studien, aus denen hervorgehen soll, dass das Präparat keine frühabtreibende Wirkung besitze, sondern lediglich den Eisprung verhindere?

Für den Wirkungsgrad einer „Pille danach“ ist entscheidend, zu welchem Zeitpunkt des Zyklus' die Frau diese Pille einnimmt. Sollte der Eisprung bereits stattgefunden haben oder eine Schwangerschaft gar seit mehreren Tage bestehen, kann eine frühabtreibende Wirkung nicht ausgeschlossen werden.

Das heißt, Sie trauen den Studien nicht?

Genau und das sollten andere auch nicht. Die meisten Studien beruhen auf Untersuchungen der Wirkung, also darauf, ob eine Schwangerschaft verhindert wurde. Wie dieses Ziel erreicht wird, wird meist gar nicht untersucht. Von möglichen Langzeitfolgen für die Frau ganz zu schweigen. Auch hat der Hersteller bei den meisten Studien direkt als Auftraggeber oder indirekt durch seine wissenschaftlichen Beiräte mitgewirkt. Trotz der hohen Verkaufszahlen sind Größe und Anordnung der Studiengruppen zudem bislang überraschend überschaubar. Wissenschaftler sagen uns, dass die beinah „sichere“ Verhinderung jeder Schwangerschaft unabhängig vom Zyklustermin den Schluss zulasse, dass die Präparate nicht nur die Ovulation, sondern auch die Nidation hemmen können. In den Packungsbeilagen anderer Länder und in den früheren Fachinformationen des Herstellers für Ärzte und Apotheker wird beziehungsweise wurde darauf sogar explizit verwiesen.

Was erwarten Sie jetzt von der Politik?

In der medizinischen Versorgung haben wir in Deutschland einen erfreulich hohen Standard erreicht, der – international anerkannt – hohe Maßstäbe setzt. Die Rezeptpflicht der „Pille danach“ hat zwar nicht verhindert, dass diese hunderttausendfach im Jahr verkauft wird. Die vertrauliche ärztliche Beratung gibt Frauen jedoch wenigstens die Möglichkeit, sich ganz persönlich beraten zu lassen. Am Verkaufstresen in der Apotheke werden solche Gespräche kaum möglich sein. Auch sollten bei einem so hoch dosierten Wirkstoff wenigstens der Einsatz und die Häufigkeit dokumentiert bleiben. Gesundheitsminister Gröhe muss ja auch gar nicht den Empfehlungen aus Brüssel folgen. Das fällt bisher in die Zuständigkeit der einzelnen EU-Mitgliedstaaten. Auch könnte der Minister Studien bei neutralen Wissenschaftlern in Auftrag geben und sogar dafür sorgen, dass die Werbung für die „Pille danach“ untersagt wird.