Kein Frieden ohne Christen

Durch den israelisch-palästinensischen Konflikt wird die arabische Gesellschaft immer mehr zu einer ausschließlich muslimischen Gesellschaft, warnt der melkitische Patriarch Gregorios III. auf der Nahost-Synode im Vatikan

Rom (DT/KAP) Der melkitische Patriarch Gregorios III. Laham aus Damaskus hat auf der im Vatikan tagenden Nahostsynode vor einem drohenden „Kampf der Kulturen“ gewarnt. Die Gefahr eines zerstörerischen Konflikts zwischen dem arabisch-islamischen Orient und dem christlichen Westen wachse mit der Auswanderung der Christen aus dem Heiligen Land, sagte das Oberhaupt der rund 1,2 Millionen griechisch-katholischen Melkiten laut dem am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsbericht. Zu den „gefährlichsten Konsequenzen des israelisch-palästinensischen Konflikts“ gehöre, dass die arabische Gesellschaft immer mehr zu einer ausschließlich muslimischen Gesellschaft werde, so Patriarch Gregorios. Für den Frieden sei die christliche Präsenz im Nahen Osten unerlässlich. Um die Christen zum Bleiben zu bewegen, müsse man mit Muslimen aber auch offen über die eigenen Ängste sprechen. Dazu gehörten Fragen der Menschenrechte und Demokratie sowie Befürchtungen über einen teils gewalttätigen islamischen Integralismus. Der „große Dschihad“ müsse der Schaffung des Friedens gelten, sagte der Patriarch.

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, forderte auf der Synode die tätige Solidarität aller Katholiken für die Kirche im Heiligen Land. Das Ursprungsland der Christenheit dürfe nicht zu einem „großen Freilichtmuseum“ werden. „Lasst eure Mutterkirche nicht allein und isoliert“, appellierte er an die Mitbischöfe. „Schweigen aus Angst angesichts der dramatischen Situation, die ihr kennt, wäre eine Unterlassungssünde.“

Der Franziskaner-Kustos im Heiligen Land, Pierbattista Pizzaballa, nannte es eine „Pflicht, den christlichen Charakter des Landes Jesu zu bewahren“. Das Handeln der Kirche solle sich mehr von ihrem Auftrag als von der Situation bestimmen lassen. Die Tatsache, dass Christen in der Minderheit seien, müsse zu einer offeneren Haltung führen. Kardinal Angelo Sodano rief die orientalischen Kirchen zu einer engeren Zusammenarbeit auf. Der „Konfessionalismus“ müsse überwunden werden, sagte er. Vor allen sprachlichen, nationalen und liturgischen Unterschieden müsse die Verbundenheit in der einen Kirche Christi stehen, hob der Dekan des Kardinalskollegiums hervor. Zugleich ermahnte Sodano die Kirchen zu verstärkten Anstrengungen für einen Neubeginn im Nahen Osten. Es gelte dringend, eine Lösung für den „tragischen“ israelisch-palästinensischen Konflikt zu finden, um aggressiven Strömungen im Islam den Boden zu entziehen, sagte Sodano. Die Kirchen müssten für die Religionsfreiheit aller Gläubigen eintreten.

Der syrisch-katholische Erzbischof von Mossul im Irak, Basile Casmoussa, zeigte sich wenig optimistisch über die Zukunft der Christen in der muslimischen Welt. „Den Christen in der islamischen Welt droht entweder das Schicksal des Verschwindens oder des Exils. Was heute im Irak passiert, lässt uns an das denken, was in der Türkei während des Ersten Weltkriegs geschehen ist. Das ist alarmierend“, so Erzbischof Casmoussa.

Der chaldäische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, sprach sich für einen umfassenderen Dialog mit dem Islam aus: „Ohne das Gespräch mit den Muslimen wird es keinen Frieden und keine Stabilität geben.“ Gemeinsam könnten Christen und Muslime Kriege und alle Formen von Gewalt zum Verschwinden bringen. Es sei wünschenswert, mit einer Stimme gegen den Waffenhandel einzutreten. Sako wies auf die schwierige Situation der christlichen Minderheit im Irak hin. Die Zahl der Christen, die das Land verließen, sei besorgniserregend. Diese Abwanderung sei gegenwärtig die größte Herausforderung für die Gemeinden. Der Erzbischof rief die orientalischen Kirchen und die Universalkirche auf, für die Gleichheit aller Bürger einzutreten und mit der internationalen Gemeinschaft und den lokalen Behörden nach Lösungen zu suchen, die die Menschenwürde der Christen respektierten.

Der chaldäische Bischof von Bagdad, Shlemon Warduni, rief zur Gründung von Komitees für den ökumenischen und interreligiösen Dialog im Nahen Osten auf. Aufgabe dieser Gremien müsse es sein, die Unterdrückten und Rechtlosen zu verteidigen und gegen fanatische politische Gruppen einzutreten.

Der maronitische Bischof von Sidon im Südlibanon, Elias Nassar, hob die gegenseitige Bereicherung von Christentum und Islam hervor. Durch ihr Gebet, ihr Engagement für Jugendliche und ihre Wohltätigkeit spornten Muslime ihre christlichen Nachbarn an, sagte Nassar. Umgekehrt befördere der christliche Umgang mit der Bibel unter Muslimen das Nachdenken über eine kritische Lektüre des Koran. Auch wenn es keinen Dialog in dogmatischen Fragen gebe, sei durch diese täglichen Erfahrungen seit vierzehnhundert Jahren ein Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen gewährleistet worden.

Auf die wachsende Herausforderung der orientalischen Kirchen durch Sekten verwies der Vikar für Jordanien des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Bischof Salim Sayegh. Viele Gläubige seien nur oberflächlich christianisiert worden und nun für die Botschaft von Sekten empfänglich, sagte Sayegh. Allein in Jordanien gebe es um die 50 Sekten. Vor allem die katholischen Schulen müssten diesem Phänomen verstärkte Aufmerksamkeit widmen.