Kardinal Pietro Parolin vermittelt zwischen Russland und dem Westen

Der Staatssekretär wird in Moskau mit Putin und Kyrill über Syrien, die Ukraine und den Nahen Osten sprechen. Von Guido Horst

Rom (DT) Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin reist am Sonntag nach Moskau und hat eine durchaus politische Agenda in der Tasche: Die päpstliche Diplomatie, so erklärte Parolin in einem Gespräch mit der italienischen Monatszeitschrift „Il Regno“, will einen Beitrag dazu leisten, dass zwischen Russland und dem Westen das Verständnis und die Kooperationsbereitschaft wieder wachsen, um gemeinsam dauerhafte Lösungen für die Krisen etwa in Syrien oder in der Ukraine zu finden. Der Vatikan sieht sich als Vermittler, er kommt nicht mit eigenen Anliegen nach Russland.

Nicht einmal die Vorbereitung eines Moskau-Besuchs von Papst Franziskus – ein Daueranliegen Roms in früheren Jahren – steht auf dem Programm des Staatssekretärs, wie dieser in einem weiteren Interview mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ bestätigte. Parolin wird bis zum 24. August in Moskau bleiben und sowohl von Staatspräsident Wladimir Putin wie vom Oberhaupt der russischen Orthodoxie, Patriarch Kyrill, zu Gesprächen empfangen. Es ist die dritte Reise des „zweiten Manns“ im Vatikan nach Moskau. Als erster Staatssekretär war Kardinal Agostino Casaroli 1988 in die russische Hauptstadt gekommen, um – noch vor der politischen Wende – an der Tausendjahr-Feier der Christianisierung der Kiewer Rus teilzunehmen. 1999 kam dann Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, um dort die Mariä-Empfängnis-Kathedrale wieder einzuweihen.

Grundsätzlich meinte Parolin zu seinem Moskau-Besuch gegenüber „Il Regno“: „Die Diplomatie der katholischen Kirche ist eine Diplomatie des Friedens. Sie hat keine Machtinteressen: weder politische, wirtschaftliche noch ideologische. Darum kann sie mit größerer Freiheit den einen die Gründe der anderen darlegen und jedem Beteiligten die Risiken deutlich machen, die eine zu selbstbezügliche Sicht für alle mit sich bringen würde.“

Der Staatssekretär sieht seine Mission in Russland in der Kontinuität der Besuche 2015 in Weißrussland und 2016 in der Ukraine. Im Hintergrund dieser Reisen stünde die Zunahme von Spannungen und Konflikten in verschiedenen Teilen der Welt. Der Besuch in Russland komplettiere das Bild, so Parolin gegenüber dem „Corriere della Sera“. Der Kardinal hob hervor, Osteuropa sei wichtig für die Stabilität und die Einheit des ganzen Kontinents. Angesichts der neuen geopolitischen Szenarien müsse man „jede Gelegenheit nutzen, um zu Respekt, Dialog und gegenseitiger Zusammenarbeit zu ermutigen“. Mit Blick auf die Lage im Nahen Osten, in Syrien und in der Ukraine sagte Parolin, die betreffenden Konflikte seien „Gegenstand der beständigen Aufmerksamkeit und Besorgnis des Heiligen Stuhls.“ Der Vatikan sieht sich hierbei als Vermittler – nicht als jemand, der Partei ergreift. Auch in der Ukraine hat sich die päpstliche Diplomatie im Konflikt zwischen orthodoxen Russen und Griechisch-Katholischen nicht einfach auf die Seite der letzteren gestellt, sondern die Position eines über den Parteien stehenden Vermittlers eingenommen. Eine Haltung, die jetzt auch in den Gesprächen Parolins in Moskau zum Ausdruck kommen wird.