Ouagadogou

Kampf gegen Islamisten

Westafrikas Staaten leiden stark unter Terrorismus. Nun gehen sie in die Offensive.

Mindestens 65 Tote bei Terrorangriff in Nigeria
Nigeria, Maiduguri: Schwelende Asche und verkohlte Gegenstände sind in Badu bei Maiduguri im Nordosten von Nigeria zu sehen. Bei einem mutmaßlichen Angriff der Terrorgruppe Boko Haram auf eine Begräbnisprozession waren im Juli mindestens 65 Menschen getötet worden. Foto: Audu Marte (AFP)

Die Staaten Westafrikas bedrohen sich nicht gegenseitig. Unsicherheit und Instabilität entstehen von innen – vor allem durch Terrorismus. Bislang fehlte es beim Kampf gegen den Terror vor allem an Geld. Das betrifft auch die Anti-Terror-Allianz G5 Sahel Joint Force, die bereits im Jahr 2014 mit Unterstützung Frankreichs gegründet wurde. Ihr gehören Truppen aus Burkina Faso, dem Tschad, Mauretanien, Mali und Niger an. Künftig wollen die Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) den Kampf gegen Dschihadisten in der Sahelzone massiv verstärken.

Die Sahelzone erstreckt sich über mehrere Landesgrenzen südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer. In dem Gebiet sind etliche bewaffnete radikalislamistische Gruppen aktiv, darunter etwa „Al-Kaida im islamischen Maghreb“ (AQIM) oder „Boko Haram“.

Zunehmendes Erstarken dschihadistischer Gruppen

Auf einem Sondergipfel zur Sicherheit in der Region verabschiedeten nun die Ecwas-Staaten in Burkina Faso einen Aktionsplan im Umfang von einer Milliarde Dollar. Damit solle der Kampf gegen den Terrorismus in der Region von 2020 bis 2024 unterstützt werden, kündigte Nigers Präsident Mahamadou Issoufou in Ouagadougou an. Die eine Milliarde Dollar sollen der Vereinbarung zufolge von den 15 Ecowas-Staaten in einen gemeinsamen Fonds eingezahlt werden. Mit dem Geld sollen militärische Aktionen auf nationaler Ebene unterstützt wie auch gemeinsame Einsätze in der Region finanziert werden.

Der Sondergipfel in Burkina Faso war angesichts eines zunehmenden Erstarkens dschihadistischer Gruppen in der Region vereinbart worden. Im Gastgeberland selbst waren erst kürzlich bei zwei islamistischen Anschlägen fast 30 Menschen getötet worden. Burkina Faso ist seit vier Jahren immer wieder Ziel islamistischer Anschläge. Angriffe galten nicht nur christlichen Kirchen oder Priestern, sondern auch muslimischen Geistlichen. Derzeit spitzt sich im Norden Burkina Fasos die Gewalt gegen Christen weiter zu. Terroristen durchkämmten dort Dorf für Dorf und stellten den christlichen Einwohner ein Ultimatum: Konversion zum Islam oder Vertreibung. Zahlreiche Christen würden auch getötet. Das berichten lokale Ansprechpartner, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchten, gegenüber dem Hilfswerk „Kirche in Not“. Die Terroristen verfolgten einen Plan: „Sie töten einzelne Gemeindemitglieder und drohen den Hinterbliebenen an, sie würden in drei Tagen wiederkommen“, erklärten die Gesprächspartner. Fänden sie dann noch einen Christen vor, würde dieser getötet. Den Menschen bleibe nur die Flucht. Zuletzt seien zwei schwer zugängliche Dörfer in der Provinz „Nord“ von Terroristen heimgesucht worden. Mehr als 2 000 Einwohner seien von dort geflohen.

Welle der Gewalt in Burkina Faso

Die Gesprächspartner beschreiben das Vorgehen im Dorf Hitté: „Anfang September kamen 16 Männer dorthin. Sie warteten, bis die Bewohner von der Feldarbeit heimkehrten. Einige Terroristen zwangen die Menschen in die Kirche und drohten ihnen. Währenddessen brannten ihre Komplizen Häuser und Ställe nieder.“ Diese seien keine Einzelfälle, so die Gesprächspartner. Die Gewaltwelle hält seit Anfang Mai an. Damals überfielen Terroristen im Dorf Toulfé einen Gottesdienst und brachten fünf Menschen um. „Von dort aus rückten die Extremisten in das nächste Dorf vor, wo sie den Christen ebenfalls ein Ultimatum stellten“, so die anonymen Quellen.

Die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs von Ecowas für mehr regionale Zusammenarbeit in der Bekämpfung des Terrorismus setzt politisch ein wichtiges Signal, heißt es in einer Analyse des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung: „Die Suche nach einer Lösung der komplexen und äußerst dynamisch verlaufenden Sicherheitskrise soll nicht mehr nur externen Akteuren bzw. einem kleinen Staatenbündnis überlassen werden.“ Das Prinzip einer stärkeren grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Polizei, Militär und Geheimdiensten müsse konsequent weiter verfolgt werden.