Kairo: Demo für Toleranz

Unions-Fraktions-Chef Kauder: Ägyptische Übergangsregierung muss Religionsfreiheit garantieren – GfbV: Ägyptens Premierminister will Christen beim Bau von Kirchen nicht mehr benachteiligen

Wie schon am 6. Februar demonstrierten am Freitag wieder Christen und Muslime auf dem Kairoer Tahrir-Platz für Religionsfreiheit. Foto: KAS
Wie schon am 6. Februar demonstrierten am Freitag wieder Christen und Muslime auf dem Kairoer Tahrir-Platz für Religions... Foto: KAS

Kairo (DT/dpa) Tausende Menschen haben am Freitag auf dem Tahrir-Platz in Kairo für religiöse Toleranz demonstriert. „Man wird uns nicht auseinanderdividieren, der Halbmond und das Kreuz stehen vereint“, sagte ein Redner auf der Kundgebung. Vor sechs Tagen waren bei schweren Zusammenstößen zwischen Christen und radikalen Muslimen im Kairoer Armenviertel Imbaba 15 Menschen getötet und 240 weitere verletzt worden. Der blutige Konflikt, der sich an der Liebesbeziehung einer zum Islam konvertierten Christin mit einem Muslim entzündet hatte, hat die ägyptische Öffentlichkeit schockiert. Der Tahrir-Platz in der Mitte Kairos war das Zentrum der landesweiten Massenproteste, die den Rücktritt von Präsident Husni Mubarak am 11. Februar erzwungen hatten.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat sich angesichts der jüngsten schweren Übergriffe auf koptische Christen in Kairo besorgt geäußert. „Wir müssen die ägyptische Übergangsregierung darin bestärken, die Religionsfreiheit im Land auch wirklich zu garantieren“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) in Düsseldorf. Die Armee müsse die christliche Minderheit und deren Kirchen schützen. Allerdings berichteten Kopten, dass nach ihrem Eindruck die Bereitschaft der Armee nachlasse. „Das darf nicht sein“, so der Unions-Fraktionsvorsitzende im Bundestag. Kauder appellierte auch an die ägyptische Übergangsregierung, ein bürgerliches Familienrecht einzuführen. Das religiös geprägte Familien- und Eherecht müsse entschärft werden. „Das würde viele Probleme beseitigen und Streit zwischen den Religionsgemeinschaften vermeiden.“ Deutschland habe etwa mit dem weltlichen Scheidungsrecht gute Erfahrungen gemacht, so der CDU-Politiker. Druck in Form von Sanktionen auf die Verantwortlichen in Ägypten auszuüben, hält Kauder nicht für den richtigen Weg. Deutschland müsse Präsenz zeigen und die Überzeugungsarbeit verstärken. Deshalb werde er in Kürze wieder in das Land reisen. „Die Menschen, die für Freiheit und Demokratie gekämpft haben, sollen spüren, dass wir sehr aufmerksam verfolgen, was dort geschieht – auch natürlich im Sinne der Christen.“

Unterdessen soll die ägyptische Übergangsregierung nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) angekündigt haben, Christen beim Bau von Kirchen nicht mehr zu benachteiligen. Dies sei ein bedeutender Schritt zum Abbau der Diskriminierung von Kopten, teilte die GfbV am Donnerstag in Göttingen mit. Innerhalb von 30 Tagen solle ein einheitliches Gesetz zur Errichtung von Kirchen und Moscheen erlassen werden, erklärte der GfbV zufolge Premierminister Essam Sharaf. „Mit der Ankündigung soll offensichtlich die religiöse Minderheit der Kopten beruhigt werden, die nach den schweren Zwischenfällen vom vergangenen Wochenende tief verunsichert ist“, vermutet GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. „Nach 80 Jahren Diskriminierung wäre ein solches Gesetz ein Meilenstein bei den Bemühungen um eine Gleichstellung von Christen und Muslimen in Ägypten.“ Bislang seien koptische Kirchen auf der Grundlage eines Gesetzes aus dem Jahr 1934 beim Bau von Gotteshäusern eindeutig gegenüber dem Islam benachteiligt gewesen. Für Modernisierungen und Instandsetzungsarbeiten seien schriftliche Genehmigungen nötig gewesen. Dies sei meist verweigert worden.

So sind auch in diesem Jahr nach Angaben der Organisation mehrfach baufällige Kirchengebäude in sich zusammengebrochen, sodass Gottesdienste danach im Freien abgehalten werden mussten. Radikale Muslime, insbesondere Salafisten, schürten immer wieder öffentliche Konflikte, um geplante Neubauten von Kirchen zu verhindern. Zahlreiche muslimische Organisationen haben nach Angaben der GfbV zu Demonstrationen für die Einheit Ägyptens und gegen die Gewalt gegenüber Kopten aufgerufen.