Julius Maada Bio

Von Michael Gregory

Julius Maada Bio

Soldat, Intellektueller – und Katholik. Der neue Präsident von Sierra Leone bringt einen unter afrikanischen Herrschern eher seltenen Mix aus Charismen mit ins Amt. Disziplin, Klugheit und Glauben wird Julius Maada Bio auch gut gebrauchen können, um sein Wahlkampfversprechen wahr zu machen, Sierra Leone nach vorn zu bringen. Das kleine westafrikanische, rund acht Millionen Menschen zählende Land gilt als Armenhaus des Kontinents. Tatsächlich ist Sierra Leone nach jahrelangem Bürgerkrieg um „Blut-Diamanten“, der Heimsuchung durch Ebola im Jahr 2014 und manchen Naturkatastrophen in desolater Verfassung.

Manches spricht dafür, dass Bio die Mammutaufgabe ernsthaft anpackt. Als 33. von 35 Kindern eines Oberhäuptlings wuchs er im Süden Sierra Leones auf. Hier siedeln die Scherbro, eines der wenigen Völker Sierra Leones, die seit je her in diesem Land leben und es deshalb als ihre angestammte Heimat bezeichnen können. Zusammen mit seinen 35 Kindern und neun Ehefrauen war Julius' Vater Charlie Bio II, Häuptling des Stammes der Sogbini, eher Vorsteher eines Dorfes als bloßes Familienoberhaupt. Jedenfalls lernte Julius von klein auf, sich durchzusetzen – und das wohl auch ohne Ellbogen. Getauft wurde er nämlich schon als Kind und seine Mutter zeigte ihm, wie Glauben gelebt werden sollte.

„Die meisten Werte, die leitenden Prinzipien in meinem Leben habe ich von meiner Mutter. Sie war eine ruhige, hart arbeitende und gut organisierte Persönlichkeit, und sie hatte einen festen Glauben an Gott. Ich war Zeit meines Lebens Katholik, ging auf eine katholische Grundschule und wurde früh getauft. Mein Glaube an Gott hat mich immer begleitet“, so Bio in einem Interview.

Es sind Sätze wie diese, die im mehrheitlich muslimischen Sierra Leone – gut zwei Drittel der Bevölkerung bekennen sich zum Islam – offenbar auch viele Nicht-Katholiken überzeugten. Bei einer Stichwahl um die Präsidentschaft erzielte der frühere Armeeoffizier, Unternehmer, Oppositionsführer und Absolvent der American University in Washington, der seit 2013 mit einer aus Gambia stammenden Muslimin verheiratet ist, rund 52 Prozent. Bereits einen Tag nach Verkündung des Ergebnisses wurde er als neues Staatsoberhaupt vereidigt.

„Ich verspreche disziplinierte Führung und nicht bloß kosmetische Veränderungen“, hatte er im Wahlkampf versprochen und einen entwicklungspolitischen Schub angekündigt, denn „Demokratie“, so Bio, „kann nicht auf einem leeren Magen entstehen“. Es ist ein spannender neuer Weg, den Sierra Leone nun mit seinem neuen Präsidenten eingeschlagen hat.