Italien: Einspruch gegen Kruzifix-Urteil fertig

Frist beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof läuft am 3. Februar ab

Rom (DT/KNA) Italiens Regierung hat den angekündigten Einspruch gegen das umstrittene Kruzifix-Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs fertiggestellt. Das teilte Staatssekretär Gianni Letta am Donnerstagabend in Rom mit. Die Einspruchsfrist, die eine Wiederaufnahme des Verfahrens vor einer größeren Kammer erwirken soll, läuft am 3. Februar ab.

Letta äußerte sich bei einer Konferenz in der italienischen Botschaft beim Heiligen Stuhl. Italien werde seinen Widerspruch mit einer „Fülle von Dokumentationen und Argumenten“ untermauern, so der Staatssekretär. Die Regierung sei zuversichtlich, dass der Europäische Gerichtshof das „schwere Unrecht“ wiedergutmachen werde.

Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, lobte in einer ersten Stellungnahme die Initiative. Der Urteilsspruch gehe „gegen die Objektivität der europäischen Geschichte und gegen das Volksempfinden“, sagte Bagnasco bei der gleichen Veranstaltung. Es scheine notwendig, die Entscheidung der Richter wieder in ein ausgeglichenes Verhältnis zur Wirklichkeit der Menschen zu bringen, so der Kardinal. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof, eine Institution des Europarats, hatte Anfang November das Anbringen von Kruzifixen in staatlichen Schulen in Italien als Verstoß gegen die Religions- und Bildungsfreiheit bewertet. Gegen dieses Urteil hatte Italien eine Revision vor der Großen Kammer angekündigt.