Los Angeles/Köln/Bonn

Iran-Konflikt: US-Bischöfe rufen dringend zum Gebet auf

Pax Christi übt scharfe Kritik am Vorgehen der USA: Die Lage drohe zu eskalieren. Der Dritte Weltkrieg, von dem der Papst spreche, habe bereits begonnen.

US-Präsident Donald Trump
Angesichts der eskalierenden Spannungen mit Iran rufen die US-Bischöfe zum Gebet auf. "Wir müssen dringend dafür beten, dass unsere Anführer in der Welt Dialog anstreben und Frieden suchen“, schrieb der Vorsitzende Jose Horacio Gomez, am Mittwoch auf Twitter. Foto: Alex Brandon (AP)

Mit Blick auf die drohende Eskalation im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran nach der Tötung von General Qasem Soleimani haben die katholischen Bischöfe der USA zu Frieden und Dialog aufgerufen. „Angesichts der eskalierenden Spannungen mit Iran müssen wir dringend dafür beten, dass unsere Anführer in der Welt Dialog anstreben und Frieden suchen“, schrieb der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, der Erzbischof von Los Angeles Jose Horacio Gomez, am Mittwoch auf Twitter. 

„Da hat unser Verbündeter USA jetzt einen völlig falschen Schritt getan. Das ist verantwortungslos.“
Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi

Unterdessen verurteilte die Generalsekretärin von Pax Christi Deutschland, Christine Hoffmann, das Vorgehen der USA scharf. Im Kölner Domradio bezeichnete Hofmann die Ermordung des iranischen Generals als eine „weitere Eskalation von Seiten der USA.“ Diese sei absolut zu verurteilen, weil sie „völkerrechtswidrig ist und weil sie Öl ins Feuer gießt.“ Es gehe darum, einen schon lange tobenden „Flächenbrand“ im Nahen und Mittleren Osten zu beenden, mahnte Hoffmann. Die Generalsekretärin von Pax Christi bezeichnete das Vorgehen der USA als verantwortungslos. Wörtlich sagte sie: „Da hat unser Verbündeter USA jetzt einen völlig falschen Schritt getan. Das ist verantwortungslos.“ So werde Gewalt immer wieder hochgeschaukelt. 

Hoffmann rief zur sprachlichen Abrüstung auf. „Wir fordern auch, dass in der Kommunikation abgerüstet wird. Aber das heißt, dass Klarheit über das, was passiert ist, herrschen muss.“ Die Generalsekretärin von Pax Christi zitierte eine Äußerung von Papst Franziskus, wonach sich die Welt in einem dritten Weltkrieg befinde, „in Teilen“. Dies sei genau das, was passiere, betonte Hoffmann. „Für die Menschen dort ist längst Krieg. Und darauf weist uns der Papst mit dieser Formulierung vom ,Dritten Weltkrieg in Stücken’ hin. Ich finde, es ist eine gute Möglichkeit für uns, uns wirklich zu besinnen und an die Menschen dort zu denken, in unserem Gebet. Sie möchten, ganz genau wie wir, einen Alltag in Frieden leben und ihre Kinder großziehen“, hob Hoffmann hervor.

Papst Franziskus: Krieg bringt nur Tod und Zerstörung 

Zuvor hatte der Papst-Botschafter in Teheran, Erzbischof Leo Boccardi, darüber informiert, dass Franziskus die Entwicklungen mit großer Sorge verfolge. Er bete und lasse sich aktuell informieren. Am Sonntag hatte Papst Franziskus beim traditionellen Angelusgebet gesagt: „In vielen Teilen der Welt liegen Spannungen in der Luft. Krieg bringt nur Tod und Zerstörung. Der Papst rief „alle Parteien auf, Dialog und Selbstbeherrschung zu wahren“. Am Donnerstag hält der Papst Franziskus seine traditionelle Neujahrsansprache an das Diplomatische Corps. Viele rechnen bei dieser Gelegenheit mit einer Stellungnahme zum Konflikt zwischen den USA und Iran. 

Auch der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, zeigte sich tief besorgt über eine drohende Eskalation in der Golfregion. „Die Gefahr eines Krieges ist nach dem US-Angriff auf einen iranischen General wohl gestiegen“, befürchtet der evangelische Theologe. Dazu gehört bei ihm auch die große Sorge vor einer gefährlichen Spirale von Rache und Vergeltung, die den Konflikt noch verschärfen könnte. „Gerade als Kirchen können wir dazu nicht schweigen “, mahnt Brahms in einer Mitteilung der Evangelischen Friedensarbeit in Bonn.

Seiner Ansicht nach ist es jetzt wichtig, dass nach politischen Lösungen gesucht wird, bevor die Krise in einen militärischen Konflikt münde. „Ich kann die Mahnungen des Ökumenischen Rates der Kirchen wie auch des UN-Generalsekretärs an die Konfliktparteien zu einer größtmöglichen Zurückhaltung nur unterstützen“, so Brahms. 

EKD-Friedensbeauftragter: Jetzt ist die Stunde der Diplomatie

Der EKD-Friedensbeauftragte fordert aber auch die Bundesregierung auf, im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen mäßigend auf die Konfliktparteien einzuwirken, Gespräche zu führen und gemeinsam mit anderen Staaten nach friedlichen Lösungen zu suchen. „Es muss nun alles getan werden, damit es nicht zu einem Krieg mit unübersehbaren Folgen kommt“, mahnte Renke Brahms und betont: „Es ist jetzt die Stunde der Diplomatie.“

Der EKD-Friedensbeauftragte unterstützt dabei die Entscheidung der Bundesregierung für einen Teilabzug der Bundeswehrsoldaten aus dem Irak. „Wenn der Irak in diesen Konflikt stärker verwickelt wird, bestünde auch für diese Personen die Gefahr, in die Auseinandersetzungen mit hingezogen zu werden“, warnt Renke Brahms.

DT

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