Iran: Israel erwägt Militärschlag

Tel Aviv (DT/dpa) Israels Geheimdienstminister Juval Steinitz hat während der laufenden Verhandlungen in Lausanne indirekt mit einem Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen gedroht. „Der Regierungschef (Benjamin Netanjahu) hat gesagt, dass Israel es dem Iran nicht erlauben wird, eine Atommacht zu werden“, sagte Steinitz dem israelischen Rundfunk am Donnerstag. Auf die Frage, ob Israel notfalls militärisch gegen den Iran vorgehen würde, um eine atomare Aufrüstung zu verhindern, sagte Steinitz: „Alle Optionen sind auf dem Tisch.“ „Wenn wir keine andere Wahl haben, dann haben wir keine andere Wahl“, erklärte das Mitglied Regierungspartei Likud auf die Frage, ob man auch gegen den Willen der USA aktiv werden könnte. „Ich will nicht über die militärische Option sprechen, sondern nur sagen, dass sie existiert.“ Steinitz erinnerte an die Zerstörung des einzigen irakischen Atomreaktors Osirak durch israelische Kampfflugzeuge im Jahr 1981. „Dies geschah auch gegen den amerikanischen Willen“, so Steinitz. „Auch in der Vergangenheit sind israelische Regierungen aktiv geworden, wenn es um unsere nationale Sicherheit ging.“ Israel sieht sich durch das iranische Atomprogramm existenziell gefährdet. Netanjahu glaubt, Teheran werde auch im Fall einer Einigung mit dem Westen heimlich weiter nach einer Atombombe streben. Unterdessen sind die Atomverhandlungen mit dem Iran in Lausanne fortgesetzt worden. Ursprünglich wollten die Beteiligten bis Dienstag um Mitternacht eine Grundsatzeinigung erzielt haben. Ein umfassendes Abkommen soll bis Anfang Juli geschlossen werden. Am Donnerstag stand zunächst ein Abstimmungstreffen ohne den Iran auf dem Programm. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte wegen der Verlängerung der Gespräche eine geplante Reise am Donnerstag ins Baltikum ab. Die Fahrt nach Vilnius, Tallinn und Riga solle möglichst bald nachgeholt werden, hieß es.