Im Zweifel für Kurt Beck

Warum die SPD ihren Vorsitzenden unter Artenschutz stellt

Von Stefan Rehder

Der Zirkusvorstand der SPD hat ein Problem. Er kann sich nicht darüber einigen, ob es sich bei seinem Direktor um einen Problembären handelt oder ob Kurt Beck bloß so ausschaut. Von einem Abschuss hat die Zirkusleitung daher zunächst Abstand genommen. Manch ein Genosse ist gar überzeugt, angesichts der Masse des in den letzten Wochen zerschlagenen Porzellans müsse Beck ein Elefant sein. Und der stehe, weil in Europa eher selten anzutreffen, sogar unter Artenschutz. Für die These, Beck sei ein Elefant und könne daher gar kein Problembär sein, wird im SPD-Zirkus weiter geltend gemacht, dass, falls an diesem Sonntag Bundestagswahlen wären, Kurt Beck noch am selben Abend zusammen mit Angela Merkel, Renate Künast und Guido Westerwelle in der Elefantenrunde des Fernsehens bestaunt werden könnte.

Die Anhänger der Problembär-These geben unterdessen zu bedenken, dass ein Elefant schon anatomisch nicht in der Lage sei, „der Merkel“, wie es Becks Stellvertreter, Finanzminister Peer Steinbrück, formulierte, „den Teller fein sauber“ zu lecken. Einigkeit erzielten die Genossen allein darüber, dass die Clownerie der letzten Wochen auf keine Kuhhaut mehr geht.

Hier kommt dann auch die hessische SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti in die Manege. Weil sie unbedingt die erste Geige spielen will, bereicherte die ehrgeizige Powerfrau die politische Kultur in Deutschland um eine echte Innovation: Statt sich wie üblich mit dem Bruch von Versprechen so lange Zeit zu lassen, bis Amt und Privilegien fest in Händen gehalten werden, verlegte Ypsilanti den Wortbruch kurzerhand vor den Amtsantritt. Nützen wird ihr das nicht. 2009 wird sich niemand mehr an sie erinnern. An Kurt Beck schon. Spätestens dann werden sich im SPD-Zirkus alle einig sein, dass es sich bei ihrem Direktor um keinen Elefanten handelt.