Beira

Im Zeichen des Friedens

Papst Franziskus reist nach Mosambik. Das Land hat einen langen Bürgerkrieg hinter sich. Der Papst unterstützt durch seinen Besuch den Aussöhnungsprozess.

Mosambiks Staatspräsident Filipe Nyusi bei Papst Franziskus
Vor gut einem Jahr hat Mosambiks Staatspräsident Filipe Nyusi Papst Franziskus im Vatikan besucht. Der Papst hat sich auch schon damals für den Friedensprozess im Land stark gemacht. Anfang dieses Monats ist nun ein Abkommen zwischen den verfeindeten Parteien geschlossen worden. Foto: Reuters

Mosambik im Südosten Afrikas steht vor großen Herausforderungen. Nach den zwei verheerenden Wirbelstürmen „Idai“ und „Kenneth“ im März und April dieses Jahres mit mindestens 1 000 Toten gilt die Lage nach wie vor als katastrophal. Weite Teile des Landes wurden nach heftigen Regenfällen überflutet. Die Hafenstadt Beira wurde bis zu 90 Prozent zerstört.

"Wir können nicht nur weinen über unsere
eingestürzte Kirche in Beira, sondern wir müssen
in die Zukunft schauen, in der wir
vielleicht eine neue Kirche haben"
Claudio Dalla Zuanna, Erzbischof von Beira

Claudio Dalla Zuanna, Erzbischof von Beira, beschreibt gegenüber Caritas international in ergreifenden Worten die dramatische Lage: „Am nächsten Sonntag werde ich in einer völlig zerstörten Kirche die Messe zelebrieren – all ihre Wände sind eingestürzt. Es war die größte Kirche, die wir in der ganzen Diözese hatten, sie lag direkt am Meer. Wir können nicht nur weinen über unsere eingestürzte Kirche in Beira, sondern wir müssen in die Zukunft schauen, in der wir vielleicht eine neue Kirche haben – nicht nur eine aus Stein und Mörtel, sondern auch im übertragenen Sinn eine aus Menschen und der Gemeinschaft, an der sie teilhaben. Wir sind jetzt in einer sehr bedrückenden Situation.“

Opfer von Naturkatastrophen

Die Regierung von Mosambik sieht sich mit den Wiederaufbauarbeiten überfordert und kann die elementare Versorgung der von den Naturkatastrophen Betroffenen nicht gewährleisten. Unicef schätzt, dass etwa 1,8 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe benötigen. Erschwerend wirkt sich die Aktivität islamistischer Terroristen im Norden des Landes aus, die den Transport wichtiger Hilfsgüter gefährdet. Zugleich droht Korruption den Wiederaufbau zu belasten. Das Land ist jedoch auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Besonders die Aufarbeitung von Korruption früherer Präsidenten bleibt eine große Herausforderung.

Mosambik ist ein dünn besiedeltes Land. Der Wohlstand ist ungleich verteilt und viele Menschen leben in Armut. Dazu tragen Naturkatastrophen, geringe landwirtschaftliche Produktivität sowie die Folgen eines brutalen Bürgerkriegs bei. 75 Prozent aller Stadt-Bewohner leben in Slums oder in Siedlungen, wo es keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser, sanitären Einrichtungen oder Gesundheitsdiensten gibt. Drogenhandel, Geldwäsche und Kinderhandel werden kaum kontrolliert und selten bestraft.

Kurz nachdem Mosambik 1975 die Unabhängigkeit von Portugal erlangt hatte, begann im Land ein Bürgerkrieg: Die damals marxistisch ausgerichtete Regierungspartei Frente de Libertaçao de Moçambique (Frelimo) und die Rebellenbewegung Resistencia Nacional Moçambicana (Renamo) standen sich gegenüber. Migration, wirtschaftliche Abhängigkeit von Südafrika, Dürren und der Bürgerkrieg hemmten lange die Entwicklung des jungen Staates. Der Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1992 forderte hunderttausende Tote. Mehrere Millionen Menschen flohen in Nachbarstaaten wie Südafrika oder suchten innerhalb Mosambiks Schutz. Zwar sind inzwischen viele in ihre Heimat zurückgekehrt, doch die Lage bleibt unsicher. Den Wiederaufbau behinderten zunächst etwa zwei Millionen Landminen. Nach gut zwanzig Jahren mühevoller Kleinarbeit durch Räumteams hat sich das Land 2015 für minenfrei erklärt.

Sant'Egidio vermittelte zwischen Kriegsparteien

Nach zehn Jahren Unabhängigkeitskrieg, 16 Jahren Bürgerkrieg und einer langen, weitgehend friedlichen Periode sehnen sich die Menschen in Mosambik nach dauerhaftem Frieden. Der Besuch von Papst Franziskus vom 4. bis 6. September soll daher Hoffnung und neue Perspektiven vermitteln. Das Motto der Reise, die den Heiligen Vater anschließend nach Madagaskar und Mauritius führt, lautet treffend „Hoffnung, Frieden und Versöhnung“.

Die im Oktober stattfindenden Wahlen sowie der anstehende Besuch von Papst Franziskus gelten als ausschlaggebend für den jüngsten Friedensvertrag zwischen Regierung und Opposition, der das Land langfristig stabilisieren soll.

Erst 1992 hatten die beiden Konfliktparteien unter der Vermittlung der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio ein Abkommen zur Beendigung des Bürgerkrieges unterzeichnet. Die Renamo wandelte sich ab 1992 zwar zu einer Oppositionspartei. Dennoch blieb der Frieden in Mosambik brüchig. Seit 2013 flammte der Konflikt vor allem in Zentralmosambik immer wieder auf, die Renamo kündigte das Friedensabkommen von 1992.

Neues Abkommen ist jetzt in Kraft getreten

Im Jahr 2014 begann erneut ein schwieriger Friedensprozess, der immer wieder von Rückschlägen geprägt war. Nach langjährigen Verhandlungen unterzeichneten Präsident Filipe Nyusi und der Renamo-Vorsitzende Ossufo Momade schließlich am 6. August 2019 in der Hauptstadt Maputo ein Friedensabkommen, mit dem die Feindseligkeiten endgültig beigelegt werden sollen. Ein erster Vertrag wurde einige Tage vorher in Satunjira unterzeichnet, einem Stützpunkt der Renamo im Nationalpark Gorongosa in Zentralmosambik. Der Vertrag sieht unter anderem die Entwaffnung und Wiedereingliederung der ehemaligen Renamo-Rebellen in die Sicherheitskräfte vor. Zuvor hatte das Parlament ein Amnestiegesetz für ehemalige Kämpfer erlassen. Es gibt allerdings noch ablehnende Stimmen, die den Friedensschluss nicht vollständig akzeptieren. Schon mehrfach wurde versucht, die Gewalt in Mosambik zu beenden. Auch diesmal ist daher Skepsis angebracht.

Fast eine Woche ist Papst Franziskus unterwegs. Die erste Station ist Mosambik, wo er heute mit dem Staatspräsidenten Filipe Nyusi zusammentreffen wird. Bei einer Begegnung mit Politikern und Vertretern wird der Papst eine Rede halten; daran schließt sich eine Interreligiöses Treffen mit Jugendlichen an. Am Abend trifft Papst Franziskus dann Vertreter der Kirche. Am Freitag feiert er eine Heilige Messe im Stadion von Zimpeto, bevor er nach Madagaskar weiterreist. Dort steht eine Begegnung mit dem Staatspräsidenten Andry Rajoelina und Vertretern der Kirche auf dem Programm. Sonntagvormittag zelebriert er ein Messe in Soamandrakizay, einem großen Freigelände.

Am Sonntagabend fliegt der Papst schließlich noch nach Mauritius. Hier wird er sich mit den Mitgliedern der Bischofskonferenz des Indischen Ozeans treffen. Von dort aus geht es dann am Dienstag wieder nach Rom.