Im Blickpunkt: kreuz.net - ein Fall für die Dienste

Von Markus Reder

Markus Reder. Foto: DT
Markus Reder. Foto: DT

Das Bundesamt für Verfassungsschutz will intensiver noch als bisher die Internetseite kreuz.net prüfen. Diese Ankündigung von Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm können Katholiken nur mit großem Nachdruck begrüßen. Und dies nicht nur wegen der muslimfeindlichen, antisemitischen und menschenverachtenden Äußerungen, die auf kreuz.net veröffentlicht werden. Auch über den Papst wird dort hergezogen. Dieses Internetportal bedeutet einen schweren Schaden für die Kirche.

Kreuz.net selbst bezeichnet sich als Initiative einer internationalen Gruppe von Katholiken, die im kirchlichen Dienst tätig sind. Doch was auf deren Seiten geschieht, ist widerlich, primitiv und hat mit Christentum und katholischer Kirche nichts zu tun. Das kann man gar nicht laut und deutlich genug sagen. Hier wird in eklatantem Widerspruch zum Evangelium gehetzt und Gift gespritzt. Das betrifft Sprache, Stil und Inhalte. Feige ist das obendrein, weil alles aus dem Dunkel der Anonymität geschieht.

Laut Verfassungsschutz wurde die seit 2004 online geschaltete Seite in Nassau auf den Bahamas registriert. Der physikalische Speicherplatz befindet sich im kanadischen Montreal. Mehr ist nicht bekannt. Der Rest verliert sich im virtuellen Niemandsland. Keiner kann sicher sein, sich nicht plötzlich auf kreuz.net wiederzufinden oder dort zitiert zu werden. Das geschieht ungefragt, verzerrend und ohne jede Erlaubnis. Kreuz.net lebt von der Unkultur der Verdächtigung, der üblen Nachrede, der gezielten Beschädigung und fördert diese – aggressiv und die Grenzen der Meinungsfreiheit immer wieder überschreitend.

Das alles ist schon schlimm genug. Vollends katastrophal wird die Angelegenheit, wenn Journalisten, die über die Kirche berichten, sich bei kreuz.net als Quelle bedienen oder sich darauf als „katholische Stimme“ berufen. Mehrfach hat sich die Bischofskonferenz von kreuz.net distanziert. „Das Internetportal hat mit der Kirche nichts zu tun. Hier wird der Begriff des Katholischen missbraucht“, betonte der Sprecher der Konferenz am Donnerstag. Über diese Distanzierung hinaus sollte die Kirche alle ihr zur Verfügung stehenden Kontakte einsetzen, um mitzuhelfen, den anonymen Machern von kreuz.net, deren Hintermännern und Drahtziehern ihr online-Handwerk zu legen. Licht in das Schattenreich der Schmutzkübel zu bringen, ist nicht einfach, aber dringend nötig. Ohne die Tätigkeit der Dienste wird das nicht gelingen.

Schon jetzt ließe sich der Einfluss von kreuz.net begrenzen, würde die Seite weniger besucht. Doch die Lust am jüngsten Gerücht, am Spiel mit Intrigen und das Interesse an schmutziger Wäsche existiert leider auch in Kirchenkreisen. Genau das spielt kreuz.net in die Hände. Damit ist klar: Auch online-Voyeurismus kann sündhaft sein. Oder anders ausgedrückt: Um zu wissen, was Dreck ist, muss man sich nicht regelmäßig reinsetzen.