Im Blickpunkt: Zeitgemäße Wahl

Von Regina Einig

Ehe am Christkönigsfest das „Jahr des Glaubens“ endet, setzt Papst Franziskus ein starkes Signal für die Volksfrömmigkeit. Am Fátimatag, dem 13. Oktober, wird er in Rom vor dem Gnadenbild der Muttergottes von Fátima die Welt dem Unbefleckten Herz Mariens weihen. Franziskus ist nach Pius XII. und Johannes Paul II. der dritte Papst, der seine persönliche Fátimaverehrung auf diese Weise mit einem Gebetsakt der Weltkirche verbindet. Das Leitmotiv der Weihegebete von Pius XII. und Johannes Paul II. ist heute unverändert aktuell: Der Papst bittet mit allen Gläubigen um den Frieden in der Welt und die Freiheit der Kirche. Auch die Liste der Bitten um Befreiung, die der selige Johannes Paul II. 1982 formulierte, passt in die Gegenwart: von den „Sünden gegen das Leben von seinen Anfängen an“ bis zum „Versuch, in den Herzen der Menschen die Wahrheit Gottes zu ersticken“ (Johannes Paul II.). Die Sorgen seiner Vorgänger dürften auch Franziskus nicht kalt lassen. Die Situation der Christen im Nahen Osten verschlechtert sich immer mehr. Allein der Syrienkonflikt und die Lage in Ägypten veranschaulichen, dass keine Bittgebet heute zeitgemäßer sein kann als das Gebet um Frieden.

Der Papst schreibt mit der Wahl des 13. Oktober auch ein weiteres Kapitel Fátimageschichte. Die Weihe ist ein Meilenstein für die Vorbereitungen auf die Hundert-Jahrfeier 2017 des portugiesischen Marienheiligtums sowie die dort sehr lebendige Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Für diese Frömmigkeitsform eine Lanze zu brechen ist heute in Kirchenkreisen nicht selbstverständlich. Manche assoziieren damit irrtümlicherweise die Lefebvre-Anhänger oder sektiererische Privatoffenbarungen. Unter dem Suchbegriff „Unbeflecktes Herz Mariens“ finden sich im Internet teilweise abenteuerliche Initiativen, vor denen das Fátimaapostolat zu Recht gewarnt hat. Die Botschaft von Fátima stellt zweifellos einen Stolperstein für rationalistisch geprägte Christen dar. Das spricht allerdings nicht gegen sie. Denn Maria bewirbt nicht das Spektakuläre, sondern bestätigt den biblisch verankerten Glauben der Kirche. Orte wie Maria Vesperbild (Seite 6) und Knechtsteden veranschaulichen den Wert der Fátimatage: Im Sinne der Kirche gefeiert, sind sie Exerzitien im Alltag. Wie jede andere bodenständige Form der Marienverehrung bildet die Herz-Mariä-Frömmigkeit ein Gegengewicht zum Trend, die Bedeutung der Mutter für das Seelenheil abzuwerten. Auch darum verdient sie es, rehabilitiert zu werden.