Im Blickpunkt: Viel Politik im Vatikan

Von Guido Horst

Das Dementi kam sofort: Kaum hatte die linksliberale Tageszeitung „La Repubblica“ auf Seite eins breit getitelt, dass Papst Franziskus im Konflikt zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten vermitteln wolle, musste das vatikanische Presseamt am vergangenen Montag klarstellen, dass es falsch sei, von einer Vermittlung des Heiligen Stuhls zu sprechen. Richtig sei vielmehr, dass in der kommenden Woche – am 10. und 11. November – eine wichtige Tagung über die nukleare Abrüstung stattfinde, für die das vatikanische Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen verantwortlich zeichne, und dass Papst Franziskus „mit Entschlossenheit“ daran arbeite, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Welt frei werde von atomaren Waffen. Einen entsprechenden Appell hatte der Papst im vergangenen März an eine Konferenz der Vereinten Nationen zur nuklearen Abrüstung gerichtet, der aber ungehört verhallte. Fast alle NATO-Staaten und Russland hatten an der Konferenz erst gar nicht teilgenommen. Jetzt legt der Vatikan kommende Woche nach. Das Ergebnis wird ähnlich sein. Wer im Club der Atommächte zeigt schon die Bereitschaft, dem Willen der Päpste zu folgen, die seit Johannes XXIII. eine Ächtung der Nuklearwaffen fordern?

Dennoch ist der Trieb des Vatikans ungebrochen, politische Themen aufzugreifen. Das galt für die Konferenz über Mafia und Korruption, mit der das neue Dikasterium für die Entwicklung des Menschen sein Debüt gegeben hat, das galt für den Europa-Kongress vor einer Woche, für die Abrüstungs-Konferenz kommende Woche oder für ein Forum, das die Päpstliche Wissenschaftsakademie ebenfalls kommende Woche mit siebzig Juristinnen aus aller Welt über Prostitution und Menschenhandel veranstaltet. Alles wichtige Themen, alles wichtige Fragen, denen sich die katholische Kirche in ihrer Weltverantwortung stellen muss. Aber muss es immer der Vatikan sein, der damit Energien bindet? Wenn Rom ruft, kommen wichtige Persönlichkeiten. Beim Europa-Kongress war das der Präsident des Europaparlaments Antonio Tajani, zur Abrüstungs-Konferenz werden jetzt UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sowie der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Muhammad Al-Baradei, erwartet. Der Papst empfängt dann die Teilnehmer solcher Tagungen und hält mitunter bedeutsame Ansprachen, wie jetzt gerade seine fünfte große Rede zu Europa. Man muss aber auch darauf hinweisen, dass zurzeit in einzelnen theologischen und pastoralen Fragen die Hütte brennt. Da aber finden leider Lösungsversuche nur noch in Grabenkämpfen statt.