Im Blickpunkt: Überleben in der Heimat Jesu

Kein Zweifel: Papst Benedikt XVI. hat den Einsatz für die Christen im Nahen Osten zu einer Priorität seines Pontifikats gemacht. In Regensburg sicherte er sich die maximale Aufmerksamkeit der islamischen Welt, in Ankara und Istanbul stellte er seine Sicht des christlich-islamischen Dialogs klar, in Amman und Bethlehem machte er sich zum Anwalt der bedrängten Christen des Orients, in Jerusalem und Tel Aviv skizzierte er eine Vision für den Nahen Osten.

Nun kommt die Sondersynode für den Nahen Osten: Bereits die „Lineamenta“ machen klar, dass hier nicht „Rom“ spricht, sondern die Weltkirche. Die Patriarchen des Orients mit ihrer jahrhunderteschweren Erfahrung, ihrer differenzierten Sicht und ihrem heroischen Einsatz sind nicht einfach dabei, sondern führend. Es geht um nicht weniger als um das Überleben des Christentums in den Ländern der Bibel. Auf die Weltpolitik und ihre Bemühungen um eine Beilegung des Nahost-Konflikts braucht die Kirche nicht warten. Die Weltpolitik hat auch dem Untergang des Christentums in der Türkei, wo es vor einem Jahrhundert noch in Millionenstärke präsent war, tatenlos und desinteressiert zugesehen. Auch wenn Obama in seiner Kairoer Rede die Kopten Ägyptens und die Maroniten im Libanon erwähnte: Die Weltpolitik setzt auf einen Ausgleich von Interessen, und dabei sitzen die orientalischen Christen zu oft zwischen allen Stühlen. Im südlichen Irak, dem Herkunftsland Abrahams, oder in Israel, der Heimat Jesu und der Apostel, oder in Ägypten, wo die heilige Familie einst Zuflucht fand. Nun muss die Weltkirche auf die Bühne treten, muss sich zum Anwalt der Christen im Orient machen, um den Christgläubigen im Heimatland des christlichen Glaubens nicht nur Sonder- oder Gaststatus, sondern Heimatrecht zu sichern.

Keine leichte Aufgabe: In Teilen der islamischen Welt haben jene radikalen Kräfte Aufwind, die auf Konfrontation mit Israel, mit dem Westen, mit andersgläubigen Mitbürgern und mit den Regierungen ihrer eigenen Staaten setzen. In Israel meint die Regierung, Brücken hinter sich verbrennen und so Washington zur bedingungslosen Solidarität zwingen zu können. In Teheran gebärdet sich ein unberechenbarer Präsident als „Mahdi“, als Heilsbringer mit Feuer und Schwert. Dem kann die Kirche nur laut und konsequent ihre Friedensbotschaft entgegensetzen. Sie ist nicht nur biblisch gut fundiert, sondern zielt auch auf eine vernünftigere Politik. Alle im Nahen Osten brauchen jetzt Frieden: Israel, seine Nachbarn und vor allem die in ihrer Existenz bedrohten Christen des Orients.

Stephan Baier