Im Blickpunkt: Turbo-Antwort aus Rom

Von Regina Einig

Auffallend rasche Verfahren bei der Besetzung von Bischofsstühlen lassen darauf schließen, dass man in Rom hellhörig geworden ist. Weniger als drei Monate nach der offiziellen Verabschiedung von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller steht in Regensburg der Nachfolger fest (Seite 5). Nur die Nachfolge von Bischof Mixa in Augsburg hatte der Papst noch zügiger geregelt. Während im Bistum Augsburg vor zwei Jahren ein Neuanfang unumgänglich geworden war, wünscht sich Benedikt XVI. in der Oberpfalz ganz offensichtlich Kontinuität. Die Entscheidung, einen Schüler und langjährigen Mitarbeiter von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller an die Donau zu berufen, spricht für sich. Auf einen Wissenschaftler und Seelsorger folgt ein Wissenschaftler und Seelsorger. Auch landsmannschaftlichen Bedürfnissen hat der Vatikan in Regensburg Rechnung getragen. Der lang ersehnte Bayer auf einem bayrischen Bischofsstuhl, Rudolf Voderholzer findet in Regensburg allerdings mehr als weiß-blaue Gefühlswelten vor. Die Diözese kann sich über ein überdurchschnittliches Engagement der Laien, guten Priesternachwuchs und in ländlichen Gegenden noch Gottesdienstbesucherquoten von über fünfzig Prozent freuen. Weltkirchliche Aufmerksamkeit ist Regensburg seit dem letzten Konklave sicher: Pentlinger Papsthaus, Domspatzen und Papstbruder sowie die wissenschaftlichen Projekte des Instituts Papst Benedikt zeigen die sympathische Seite der Kirche in Deutschland. Erzbischof Müller förderte die weltkirchliche Ausrichtung Regensburgs dank persönlicher Kontakte und Initiativen zur Neuevangelisierung: Die erste Stadtmission einer deutschen Diözese wurde an der Donau ein Erfolg.

Umso schriller müssen daher die Zwischenrufe während der Vakanz in römischen Ohren geklungen haben. Dass ein Diözesanadministrator bei der Bekanntgabe der Ernennung von einheimischen Journalisten direkt gefragt wird, ob seine öffentlich geäußerten Erwartungen an den künftigen Bischof („Rückgrat vor Rom“) das Verfahren beschleunigt hätten, ist ebenso ungewöhnlich wie das zügige Procedere selbst.

Bisher lagen die Gewichte im Bistum Regensburg richtig: Neuevangelisierung an erster Stelle, Strukturdebatten soweit nötig. Im Mai 2014 wird die Stadt Gastgeber des 99. Deutschen Katholikentags und sich damit auch der Eigendynamik des bundesweiten Dialogprozesses stellen. Angesichts dieses an kirchenpolitischen Extravaganzen reichen Phänomens kann das Bistum nun kreativ werden.