Im Blickpunkt: Tacheles statt Dialognirwana

Und wieder Wischiwaschi: Nach der Reaktion des Sekretariats der Bischofskonferenz auf das Memorandum der Theologen äußerte sich diese Woche der Osnabrücker Bischof Bode. Auch Bode sieht im Professorenaufstand einen „wichtigen Dialogbeitrag“. Hier meldeten sich „Menschen mit Kompetenz zu Wort“. Nun wird man den Protest-Theologen Kompetenzen nicht absprechen wollen. Nur liegen die eher im politischen Bereich. Inhaltlich ist der Text des Reformpapiers ein Ausweis fachlicher Inkompetenz, ein gezieltes Vorbeireden an der eigentlichen Krise des Glaubens. Taktisch agieren die Memorandisten aber geschickt. Sie nützen die Uneinigkeit der Bischofskonferenz und treiben einen Keil zwischen die Lager. Wer mit klaren Worten reagiert, wird als betonköpfiger Dialogverweigerer gegeißelt. Wer Sympathien signalisiert, wird als dialogfähiger Reformer umschmust. Das ist so armselig wie das Memorandum selbst, aber effektiv.

Sollten einige Bischöfe tatsächlich meinen, auch klare lehramtliche Festlegung zum Gegenstand ihrer Dialogoffensive machen zu müssen, dann bitte konsequent. Dann sollte man auch die Beschlüsse von Nizäa und Konstantinopel zur Diskussion stellen. Wahrscheinlich wäre das sogar aufschlussreich. Zumindest würde man sich damit dem Grundproblem ein ganzes Stück nähern. Der Frage nämlich, wie weit der Jesus vieler Theologen und der Christusglaube der Kirche auseinanderdriften und welche Folgen das für die wissenschaftliche Theologie, die Glaubensverkündigung, das Kirchen- und Priesterbild oder das Eucharistieverständnis hat. Damit wäre man dann wenigstens am wunden Punkt und müsste Tacheles reden, statt sich im Dialognirwana zu verlieren.

In seiner autobiografischen Schrift „Aus meinem Leben“ schreibt Joseph Ratzinger, dass ihm gerade am Anfang seiner Bischofszeit „immer die Worte der Bibel wie der Kirchenväter im Ohr“ geklungen hätten, „die die Hirten mit großer Schärfe verurteilen, die wie stumme Hunde sind und, um Konflikte zu vermeiden, das Gift sich ausbreiten lassen“. Wahr sei, „dass die Kirche sich nie mit dem Zeitgeist liieren darf. Sie muss die Laster und Gefährdungen einer Zeit ansprechen“. Ein Bischof, schreibt Ratzinger damals, „dem es nur darauf ankäme, keinen Ärger zu haben“, sei für ihn „eine abschreckende Vision“. Ganz ähnlich klang das kürzlich, als Papst Benedikt die Bischöfe mahnte, kein Schilfrohr zu sein, das sich mit dem Wind dreht, kein Diener des Zeitgeistes, sondern sich mutig den Strömungen des Augenblicks zu widersetzen.

Darauf kommt es jetzt an. Das Memorandum ist kein Testfall, der über die Dialogfähigkeit der Bischöfe entscheidet. Das ist billige Polemik. Es ist ein Ernstfall, der allen zeigt, ob die Bischöfe willens und fähig sind zum klaren Zeugnis in die Kirche und in die Gesellschaft. Gelingt das, kann der Ärger durchaus heilsam sein.