Im Blickpunkt: Symbolpolitik und Prägung

Von Regina Einig

Die Entscheidung der deutschen Bischöfe, Trauungen bei den Piusbrüdern eine Absage zu erteilen, hat für die Freunde des überlieferten römischen Ritus in Deutschland zwar auf den ersten Blick keine tiefgreifenden Konsequenzen. In Traditionalistenkreisen wird die exklusive Verbundenheit mit den Piusbrüdern in der Praxis immer stärker zurückgedrängt zugunsten einer traditionsverwurzelten Flexibilität: Man besucht die Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus auch bei den Petrusbrüdern oder fährt zur Beichte in Niederlassungen des Instituts Christus König und Hoherpriester. Eine würdige Trauung im alten Ritus nach diözesaner Ordnung dürfte also kein unlösbares Problem sein, auch wenn es im Einzelfall sicher als schwierig empfunden werden kann, wenn Verwandte oder persönliche Freunde als Zelebranten des Brautamtes ausscheiden, weil sie Piusbrüder sind.

Schmerzhafter als die jüngste Entscheidung der Bischöfe mag es viele Anhänger der Piusbrüder treffen, dass Pfarrkirchen Piusbrüdern für Exequien nach wie vor verschlossen bleiben – und zwar selbst dann, wenn der Verstorbene und seine Angehörigen ihr ganzes Leben im Ort verbracht haben und in der betreffenden Kirche vor dem Konzil getauft wurden und geheiratet haben.

Dennoch zerstäubt der Beschluss der Bischöfe nicht einfach spurlos wie ein Regentropfen im Wind. Dass eine von Rom gewährte Möglichkeit, Traditionalisten entgegenzukommen, nicht wahrgenommen wird, während gleichzeitig die Vorschläge aus liberalen Kirchenkreisen größtmögliche Aufmerksamkeit erhalten, prägt das Klima der Kirche weit über die Kreise der Freunde der alten Messe hinaus. Der Grundtenor der Melodie – selbstverständliche Strenge mit den Traditionalisten, selbstverständliche Offenheit für Liberale – bestimmt als basso continuo den binnenkirchlichen Diskurs in Deutschland. Diese Psychologie der Seelsorge wiegt in Zeiten der Aufweichung der Sakramentenpastoral schwerer als die überschaubare Zahl der Trauungen in Kapellen der Piusbrüder. Sakramentale Nähe und Distanz sind für viele Gläubige ein Verwirrspiel geworden, das nur eine Richtung zu kennen scheint: Schritt für Schritt zur Protestantisierung. Man darf gespannt sein, wieviel Gehör den Kritikern der von Kardinal Kasper leidenschaftlich befürworteten Zulassung gemischtkonfessioneller Ehepaare zur Eucharistie noch zuteil wird. Und welche gut gemeinten Geschenke sich katholische und protestantische Amtsträger zum Abschluss des Lutherjahrs machen.