Im Blickpunkt: Religion ist kein Opium

Von Guido Horst

Guido Horst. Foto: IN
Guido Horst. Foto: IN

Während Papst Franziskus mit dem Besuch der Philippinen dem katholischen Herzen Asiens seine Aufwartung macht, waren die gut zwei Tage in Sri Lanka ein Aufenthalt an der Peripherie. Aber einer Peripherie, die es in sich hat. Auf der Insel leben religiöse Menschen. Das ist aus den Genen des alten Ceylon nicht wegzudenken und prägt heute noch den Alltag. Auf dem Flug nach Manila zeigte sich Franziskus aufrichtig erstaunt darüber, dass am Vortag beim Mariengebet im Heiligtum von Madhu so viele andere Religionen vertreten waren und die Katholiken nicht einmal die Mehrheit stellten. Freundlich und zuvorkommend sind sie, die Sri Lanker, und so sympathisch wie ihre lustige Rundschrift, wo jeder Buchstabe ein Smilie zu sein scheint. Es gibt kaum eine Tür, die ein Bediensteter nicht sofort für einen öffnet – und in den gehobenen Hotels und Banken trägt er dazu eine phantasievolle Uniform wie ein Konteradmiral.

Weit davon entfernt, irgendeinem Synkretismus oder religiösem Relativismus das Wort zu reden, hat Franziskus in Sri Lanka mit Worten und Gesten eine Grundwahrheit hervorgehoben: Dass Christen, vor allem wenn sie in der Minderheit sind, sich nicht aussuchen können, mit welchen Religionen sie zusammenleben wollen. Das gilt auch für den Westen, wo sich eine säkulare Gesellschaft mit wachsenden Minderheiten von Muslimen auseinandersetzen muss. Den ein oder anderen kann man bekehren, manche aus den eigenen Reihen wird man verlieren, aber es ist einfach eine Tatsache, dass man mit fremden Religion respektvoll umgehen muss. Seinen spontanen Besuch in einem buddhistischen Tempel wollte der Papst genau so gesehen haben. Doch zur Religion kommt ein zweites hinzu: die Vernunft. Das so religiöse Volk in Sri Lanka hat sich jahrelang einen blutigen Bürgerkrieg geleistet. Christen sollen sich da nicht erheben; es stehen genügend dunkle Kapitel in den Büchern der eigenen Geschichte. Das Diktum von Papst Benedikt, dass die Religion die Vernunft, die Vernunft aber auch die Religion zu erleuchten hat, gilt ebenso für Sri Lanka, wo man sich anschickt, eine nationale Befriedung und Versöhnung herbeizuführen. Es gilt aber auch für Europa.

Wer immer glaubt, der Kampf gegen einen extremen Islamismus lasse sich über eine grundsätzliche Ausklammerung des Religiösen führen, wird gerade eines Besseren belehrt. In Sri Lanka müssen die Religionen lernen, für den Frieden zusammenarbeiten. Und das säkulare Europa muss lernen, allen vernünftigen Ausdrucksformen des Religiösen wieder mit Respekt zu begegnen. Der radikale Laizismus französischer Prägung ist ein fataler Irrtum.