Im Blickpunkt: Regensburg und die Folgen

Schon am 4. Mai vergangenen Jahres hatte Papst Benedikt XVI. den ehemaligen iranischen Präsidenten Mohammad Khatami im Vatikan empfangen. Damals erklärte der als gemäßigt geltende Gast aus Teheran, die religiösen Führer beider Seiten seien verpflichtet, die Wunden in den Beziehungen zwischen Christen und Muslimen zu heilen. Khatami selber gehörte zu den Vertretern der islamischen Welt, die die berühmte Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt mit Bedacht kommentiert hatten. Und der Dialog mit den iranischen Schiiten ging weiter. Nachdem Anfang März eine fünfköpfige Delegation von schiitischen und sunnitischen Gelehrten im Vatikan die Gründung eines Islamisch-Katholischen-Forums verabredet hatte, das im kommenden November zum ersten Mal zusammentreten wird, hielt sich nun wieder eine Gruppe von acht muslimischen Verhandlungsführern in Rom auf, diesmal von der „Organisation für islamische Kultur und Beziehungen“ in Teheran, eingeladen vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog unter Leitung Kardinal Jean-Louis Taurans. Thema des Treffens, das am Mittwoch mit einem Empfang beim Papst zu Ende ging: „Glaube und Vernunft in Christentum und Islam“.

Jene Vorlesung in Regensburg beim Bayern-Besuch des Papstes 2006 wird inzwischen im Vatikan als Werk der Vorsehung gedeutet. Zwar bedurfte es einer diplomatischen Kraftanstrengung Roms und versöhnlicher Gesten des Papstes in der Türkei, um die Wellen in der muslimischen Welt zu glätten. Aber dann kamen die beiden Briefe islamischer Gelehrter aus aller Welt und zahlreiche Gesprächstreffen. In Dhaka im unruhigen Bangladesch hat am 18. April eine gemeinsame Hochschultagung von Christen und Muslimen zur Frage des friedlichen Zusammenlebens stattgefunden. In Rom waren jetzt Glaube, Vernunft und Gewalt Gesprächsgegenstand – genau jene Themen, die der Papst in Regensburg angesprochen hatte. Die gemeinsamen Formulierungen, die man gefunden hat, sind weitreichend. Es scheint etwas aufgebrochen zu sein zwischen Christen und Muslimen. Und der Ausgangspunkt war Regensburg.

Die Kirche macht der Politik derzeit vor, dass mit gemäßigten Muslimen ein konstruktives Gespräch zu führen ist. Zudem zeigt der Kirchenbau in Katar, dass es in der islamischen Welt auch hinsichtlich der Religionsfreiheit Bewegung gibt. Wichtigstes Ziel wird jedoch sein, dass an der Versöhnung arbeitende Muslime ihre gewaltbereiten Glaubensbrüder wieder zur Vernunft bringen. Die inner-islamische Verwerfung ist noch lange nicht gelöst.

Guido Horst