Im Blickpunkt: Linzer Weg muss nach Rom führen

In der Politik und im Casino wäre man einfach zur Tagesordnung übergegangen: Neues Spiel, neues Glück! Heute verloren, morgen vielleicht wieder gewonnen? Aber die Kirche lebt nicht nach den Gesetzmäßigkeiten der Politik oder des Spielcasinos, und deshalb konnte Rom im „Fall Linz“ nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Nicht um seiner Person willen musste der Papst Klarheit schaffen, sondern weil das Papstamt beschädigt wurde, weil der falsche Eindruck entstehen konnte, die Söhne in der österreichischen „Filiale“ bräuchten den Vater in der römischen „Zentrale“ nicht mehr.

Die Ernennung des Pfarrers von Windischgarsten, Gerhard Wagner, zum Linzer Weihbischof hatte nicht nur jene, die auf dem „Linzer Weg“ ins Nirgendwo unterwegs sind, erschreckt: Sollte Rom tatsächlich eingreifen und die seit Jahren zum Himmel stinkenden Linzer Missstände anpacken wollen? Kein Wunder, dass ein von Dekanen und kirchlichem Mittelbau geschürter Wirbel ausbrach. Wunderlich eher, dass der Linzer Diözesanbischof seinen neuernannten Helfer bat, auf das Amt zu verzichten, dass dieser es daraufhin tat und dass die Diözesanbischöfe sich in einem Hirtenbrief erleichtert zeigten, wieder Ruhe zu haben. So mancher Bischof ahnte bald, dass es so einfach nicht geht: Man schmettert einen vom Papst ernannten Bischof nicht ab, ohne das Papstamt zu beschädigen. Man weist die vom Papst geschenkte Hilfe nicht brüsk zurück, ohne die Bande, die das Netzwerk Weltkirche ausmachen, gefährlich zu lockern.

Das Spitzengespräch im Vatikan, zu dem der Papst die Verantwortungsträger aus Österreich Anfang der Woche bat, diente der Einheit. Entgegen dem provinziellen Irrglauben, Rom wisse nicht, wie es in den Alpen und an der Donau stehe, und falle deshalb auf Intriganten herein, hat Kardinal Schönborn klargestellt, dass man in Rom die österreichische Kirche „differenziert und korrekt“ sieht, das Gute wie die Defizite zur Sprache bringt. Nein, die österreichischen Bischöfe reisten nicht an den Tiber, um verknöcherte Römer über hiesige Verhältnisse aufzuklären. Sie reisten auch nicht, um sich eine Kopfwäsche verpassen zu lassen. Der Papst trägt aber nicht nur Mit-, sondern Letztverantwortung für die ihm anvertraute Herde: für die weltweite Kirche. Darum gebührt ihm auch das letzte Wort. Dass er es leise und hinter verschlossenen Türen, „brüderlich“ und wohl auch väterlich sprach, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bischöfe und Priester ihm Gehorsam schulden. Das ist keine Frage der Kirchenordnung, sondern des katholischen Glaubens – das zeigen die Linzer Irrwege. Stephan Baier