Im Blickpunkt: Köln ist einen Kongress wert

Von Regina Einig

Die aktuelle Studie der Universität Chicago (Seite 4) lässt keinen Zweifel zu: Deutschland bildet das Schlusslicht unter den Missionsländern. Wer den Schwund an christlicher Glaubenssubstanz nördlich der Alpen als unvermeidliche Begleiterscheinungen der Säkularisierung oder als ideologische Spätfolge der DDR abtut, macht es sich zu einfach. Denn die Deutschen haben Privilegien, von denen viele Menschen in Osteuropa oder Lateinamerika nur träumen können. Dazu gehören neben einem üppigen Angebot an christlicher Literatur in der Landessprache sprudelnde Kirchensteuern, ein vergleichsweise räumlich dichtes Netz an Pfarrgemeinden und christlicher Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Auch auf theologische Fakultäten an staatlichen Universitäten halten sich Kirchenkreise hierzulande viel zugute. Dennoch fruchtet vieles offensichtlich nicht.

Nach der Maxime „prüfet alles, das Gute behaltet“ ist es ein Gebot der Vernunft, sich kirchliche Angebote auf ihre Tauglichkeit für die Neuevangelisierung anzuschauen. Christlicher Dialog ist kein Selbstzweck. In Zeiten des Dialogprozesses darf Etabliertes ohne Denkverbote auf den Prüfstand gestellt werden. Soll das „Jahr des Glaubens“ nicht zerredet werden, braucht es den Mut, Erfolgsmodelle gelten zu lassen und sich von Fehlentwicklungen zu distanzieren.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat bei der Vorstellung des Eucharistischen Kongresses 2013 (Seite 5) mit gutem Grund auf das Vorbild der Weltjugendtage verwiesen und zugleich klargestellt, dass der Eucharistieempfang Katholiken vorbehalten ist. Beides widerspricht durchaus dem kirchlichen Mainstream: Weltjugendtage werden in Deutschland häufig als Event ohne geistliche Langzeitwirkung abgetan. Die Interkommunion wiederum ist in vielen Pfarreien so selbstverständlich etabliert, dass sich nachdenkliche evangelische Christen mitunter irritiert abwenden.

Dass das Erzbistum Köln mit dem Eucharistischen Kongress ein Bekenntnis zur Mission verbindet, kommt allen Konfessionen zugute. Ohne das gemeinsame Fundament des Christusglaubens und der Ausrichtung an der Schrift erübrigt sich die Frage nach dem Sinn von kirchlichen „Aufbrüchen“. Daher ist es konsequent, dass der Kardinal das Glaubensfest in seiner Diözese nicht als Katholikentag verstanden haben will. Man gebe das Stichwort „Neuevangelisierung“ in die Programmdatenbank des Mannheimer Katholikentags ein und warte beim Durchlaufen von 1 200 Einzelveranstaltungen geduldig auf Treffer.