Im Blickpunkt: Kein Platz in der Herberge

Von Regina Einig

Wie schwierig es derzeit ist, Flüchtlingen eine Herberge zu besorgen, erleben die Christen mitten im Wohlstandsland Deutschland allerorten. Selbst das mit Immobilienbesitz gut ausgestattete Erzbistum Köln macht diese Erfahrung. Die Besonderheiten der Flüchtlingspolitik sind in großen Diözesen exemplarisch zu besichtigen: Aufgrund der eher unglücklichen Quotenregelung nehmen Städte mit einem ohnehin überhitzten Wohnungsmarkt derzeit deutlich mehr Flüchtlinge auf als ländliche Regionen.

Trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen hat die Kirche die Kommunen in der Armutsbekämpfung und Flüchtlingshilfe immer effizient unterstützt. Der „global player“ katholische Kirche trägt auch die negativen Langzeitfolgen der bürokratischen Hürden bei der Flüchtlingsaufnahme mit und hilft Menschen in Krisenregionen, damit sie erst gar nicht in das Dilemma kommen, ihre Heimat verlassen zu müssen.

Daher darf man über den Ton staunen, in dem die Kölner Sozialdezernentin Henriette Reker die Kritik Kardinal Rainer Maria Woelkis an der Flüchtlingspolitik zurückgewiesen hat. Außer dem Angebot, das Kalker Klarissenkloster für ein neues Wohnprojekt umzubauen, habe die katholische Kirche bisher wenig zur Entlastung beigetragen. Drei bislang bereitgestellte Wohnungen seien „nicht die Hilfestellung, die wir uns wünschen“. Der Kölner Erzbischof hatte kritisiert, dass sich die Behörden viel Zeit ließen, um Quartiere zu prüfen, die das Erzbistum als Flüchtlingsunterkünfte angeboten hat.

Damit hat Kardinal Woelki ausgesprochen, was viele Menschen angesichts der Flüchtlingsnot als fragwürdig wahrnehmen. Müssen wirklich so viele Herbergen leer bleiben? Nicht nur in Kirchenkreisen wird registriert, dass die Hilfsbereitschaft in der behördlichen Praxis oft rasch am Vorschriftendschungel scheitert oder als Sozialromantik abgetan wird. Der Denkmalschutz ist da nur die Spitze des Eisbergs.

Zweifellos können die Kommunen nicht beliebig an Sicherheitsstandards feilen. Niemand erwartet, dass sich städtische Mitarbeiter durch nachlässigen Umgang mit Brandschutzvorschriften strafbar machen. Doch die Erfahrung der letzten Jahre, dass Vorschriften in der Flüchtlingspolitik auch auf ihren Sinn überprüft werden müssen und starre Regeln das Engagement nicht fördern, ist überhaupt nicht von der Hand zu weisen. Man braucht kein Sozialromantiker zu sein, um wahrzunehmen, dass Kommunen und Länder Kompromisse eingehen müssen, um die Not zu bewältigen.