Im Blickpunkt: Kampf um die Deutungshoheit

Von Guido Horst

Guido Horst. Foto: DT
Guido Horst. Foto: DT

Achtung: Die Papstversteher sind unterwegs! Die römische Synode zu Ehe und Familie naht und solche, die sich für besonders kluge Köpfe halten, geben schon einmal zum Besten, was Franziskus mit dieser Bischofsversammlung im Schilde führt, der ein Jahr später noch eine weitere zum gleichen Thema folgen soll. So etwa die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die einen Bericht über einen angeblichen „Kampf um Rom“ am vergangenen Donnerstag mit der Unterzeile betitelte: „Wie Papst Franziskus und einige Gleichgesinnte die Irrwege der kirchlichen Lehre von Ehe und Familie nach dem II. Vatikanischen Konzil korrigieren wollen“. Aaaha! Das Blatt beruft sich dabei auf eine dreißigseitige Denkschrift von Bischof Johann Bonny von Antwerpen, der, so die Zeitung, „frontal gegen die Lehre der Päpste seit Paul VI. aufbegehrt“. Bonny, der zuvor in seinen römischen Jahren unter anderem an der Seite von Kardinal Walter Kasper im Einheitsrat gearbeitet hat, wird zwar an der Bischofsversammlung im Oktober gar nicht teilnehmen. Aber immerhin, so die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in einem Kommentar, hat ja die Mehrzahl der deutschen Bischöfe dem Konferenzvorsitzenden Kardinal Marx ein Votum mit auf den Weg zur Synode gegeben, das in die gleiche Richtung zielt: Die Lehre der Kirche zu Ehe und Familie so lange zu beschneiden, bis sie mit der Lebenswirklichkeit der real existierenden Gläubigen übereinstimmt. Das sei schließlich auch die Absicht von Papst Franziskus.

Angesichts solcher Spekulationen sollte man, bis die beiden Synoden dann wirklich auch getagt haben werden, eher auf das achten, was Franziskus wirklich tut und sagt. Bei der Heiligsprechung von Karol Wojtyla kündigte er an, Johannes Paul II. werde der „himmlische Begleiter“ der Familiensynode sein. Mit Blick auf die Seligsprechung von Paul VI. lobte der Papst gegenüber dem „Corriere della Sera“ die Weitsicht des Montini-Papstes in Sachen „Humanae vitae“: „Seine Genialität war prophetisch. Er hatte den Mut, sich gegen die Mehrheit zu stellen, die moralische Disziplin zu verteidigen, eine kulturelle Bremse zu ziehen.“ Das klingt nun gar nicht so, als wolle Franziskus die Ehelehre dieser beiden Päpste demontieren. Die Sorge des Papstes ist die, dass Getaufte, die nicht in Einklang mit den Geboten der Kirche leben, gar nicht mehr zur Kirche gehen – die aber gerade dafür da ist, sich um die Sünder zu kümmern. Zentral ist für Franziskus die Beichte – und nicht ein laues Anpassen der Wahrheit und Ideale der Kirche an die gebrochene Natur des Menschen.