Im Blickpunkt: Jugendliche Brückenbauer

Von Clemens Mann

Die Kirche im säkularen Deutschland läuft der Gefahr, ihren wichtigsten Auftrag zu vernachlässigen. „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“, heißt es im Matthäusevangelium. Kürzlich veröffentlichte Studien über eine Million Kirchenaustrittswillige und sinkende Zahlen von Christen in Europa sprechen Bände. Doch verloren ist noch nichts: Statt Ressourcen mit endlosen Strukturdebatten zu verschwenden, bedarf es einer Rückbesinnung auf den spirituellen Schatz der Kirche – und junger Menschen sowie jugendlichem Eifer und Begeisterung für Christus. Die Frage der Evangelisation – im Pontifikat Benedikts XVI. wird ihr eine bedeutende Rolle zuteil. Erst im Oktober 2011 sammelten sich über 8 000 Vertreter des kirchlichen Lebens in Rom, um über Perspektiven der Evangelisation nachzudenken. Und der Heilige Vater wird nicht müde, gerade die Jugendlichen zum entschiedenen Zeugnis für Christus aufzurufen. Beim Weltjugendtag in Madrid im Sommer diesen Jahres entsandte er viele begeistert zurück in ihre Heimatländer, in den Straßen tönte der Ruf „Dies ist die Jugend des Papstes“.

Dennoch: Diskussionen um Zölibat und Frauenpriestertum beschäftigten die deutschen Jugendlichen auch im fernen Spanien. In den Katechesen nahmen solche Fragen einen großen Raum ein. Wann erkennt man endlich, dass eine wirkliche und tiefgehende Erneuerung der Kirche nicht mit Reformen der äußeren Strukturen zu machen ist? Es waren heiligmäßige Menschen, die mit tiefer Gottgläubigkeit und Spiritualität die Kirche erneuerten. Dass das derzeitige Taizé-Treffen in Berlin über 30 000 junge Christen aus ganz Europa anzieht, ist nur ein Beispiel dafür, welch enormes Mobilisierungspotenzial in der christlichen Spiritualität mit Christus im Zentrum liegt. Nicht mit vermeintlicher Modernität, sondern mit Spiritualität berührt man die Menschen im Innersten und befriedigt ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, Gemeinschaft und Liebe. Die Zukunft der Kirche wird sich daran entscheiden, wie begeistert Christen über ihren Glauben sprechen und ihn leben. Schon im nächsten Jahr bei den vom Rat für die Evangelisation ausgerufenen Missionen in europäischen Städten wie Paris, Brüssel, Wien oder Dublin oder beim beginnenden Jahr des Glaubens Ende 2012 wird es auf das Zeugnis aller Christen, besonders auch der Jugendlichen ankommen. Denn niemand schlägt so leicht und überzeugend die Brücke zwischen Spiritualität und moderner Welt wie junge Menschen, die an Christus glauben.