Im Blickpunkt: Ein katholischer Samstag in Rom

Von Guido Horst

Mächtig was los in Rom: Zu der ersten Sonder-Audienz zum Heiligen Jahr mit Franziskus haben sich für heute Vormittag gleich drei Pilgergruppen mit jeweils mehreren tausend Teilnehmern angemeldet. Es ist die erste von zwölf zusätzlichen Generalaudienzen des Papstes, die sich über das Jahr der Barmherzigkeit verteilen. Schade, dass sie auf der deutschen offiziellen Homepage mit dem Programm des Heiligen Jahres noch nicht verzeichnet ist – dann wären vielleicht zusätzlich auch einige Pilger aus dem deutschsprachigen Raum angereist. Aber noch leidet das Heilige Jahr unter Startschwierigkeiten. Das mag dem kühlen Wetter geschuldet sein – Januar und Februar sind wahrlich keine Reisemonate. Auch Terrorangst und die starke Präsenz von Sicherheitskräften mögen abschreckend wirken. Zwar hat der Chef des für die Organisation zuständigen Neu-Evangelisierungsrat, Erzbischof Rino Fisichella, vor Tagen schon verkündet, dass bisher bereits 1,3 Millionen Pilger die Heiligen Pforten Roms durchschritten hätten. Viel von ihnen gesehen hat man jedoch nicht. Die Beichtväter im Petersdom berichten, dass sie nicht mehr zu tun hätten als sonst auch. Aber das Programm steht und mit der ersten Sonder-Audienz am heutigen Samstag hat das am 8. Dezember eröffnete Barmherzigkeits-Jahr einen weiteren kleinen Höhepunkt.

Gleich anschließend können die Audienzteilnehmer weiterziehen zum Circus maximus, wohin wegen des starken Andrangs der diesjährige „Familiy-Day“ verlegt worden ist. Ursprünglich wollten Laien-Initiativen und Familien-Organisationen vor der Lateranbasilika zusammenkommen. Aber in diesem Jahr geht es um ein Gesetz, das die bürgerliche Gesellschaft spaltet: Die eingetragenen Lebenspartnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare (Italien spricht von „Zivil-Unionen“) und deren mögliches Recht, Kinder zu adoptieren. Das Komitee, das die Demonstration am heutigen Samstag organisiert und von dem Neurochirurgen Massimo Gandolfini geleitet wird, hat sich dementsprechend den Namen „Verteidigen wir unsere Kinder“ gegeben. Vor allem das Adoptionsrecht für schwule oder lesbische Partner spaltet, der Riss setzt sich auch durch die regierende Mitte-Links-Koalition fort. Der „Family-Day“ ist keine Veranstaltung der Bischofskonferenz und erst recht nicht des Vatikans. Aber viele katholische Laien engagieren sich und können mit der moralischen Unterstützung aus den Bischofsreihen rechnen. Nicht zu den eingetragenen Lebenspartnerschaften, aber zum Adoptionsrecht für homosexuelle Paare hat sich der Ständige Rat der Bischofskonferenz klar im Sinne der katholischen Laien geäußert.