Im Blickpunkt: Ein Sieg für Ehe und Familie

Von Stephan Baier

Eine Mehrheit im Parlament ist kein Freifahrtschein für den Totalumbau des Rechtsstaates oder die Umerziehung der Gesellschaft. Diese Lektion haben die Slowenen ihrer Regierung am vergangenen Sonntag in einem Referendum erteilt: Da kippte eine Zwei-Drittel-Mehrheit das Gesetz, mit dem eine links-liberale Parlamentsmehrheit die Ehe von einer „Verbindung zwischen Mann und Frau“ zu einer „Verbindung zweier Personen“ mutieren und so homosexuellen Paaren sogar die Adoption von Kindern erlauben wollte. Das Ergebnis des Referendums ist nicht bloß eine schallende Ohrfeige für die Regierung, sondern ein bedeutender Sieg für die Ehe, für die Familie und für die Kinder. Der gesunde Menschenverstand hat gesiegt über eine sich modern wähnende ideologische Gesellschaftspolitik, deren Ignoranz gegenüber jeder pädagogischen, psychologischen und sogar biologischen Erkenntnis rational nicht mehr zu erklären ist. Europaweit dekonstruieren Linke und Liberale – nicht selten unter zeitgeistiger Anbiederung von Christdemokraten – seit Jahren Ehe und Familie mit einer Leidenschaft, die angesichts der demographischen Schwäche Europas suizidale Züge hat.

Die Homo-Lobby giftet jetzt gegen die christdemokratische Opposition und die katholische Kirche. In der Tat ist es erstaunlich, dass die slowenische Christdemokratie – im Gegensatz zu ihren Parteifreunden in manchen Ländern Europas – im gesellschaftspolitischen Ringen nicht die Waffen gestreckt hat. Erstaunlich ist aber auch, dass die katholische Kirche im weithin säkularen Klima Sloweniens mit einem Gebetssturm und klaren Appellen eine derartige Mobilisierung der Bürger bewirken konnte. Die Situation in Slowenien ist nicht vergleichbar mit jener in Kroatien, Polen oder in der Slowakei, wo die katholische Kirche jahrzehntelang der einzige Hüter der nationalen Identität und die Fluchtburg einer dem Kommunismus Widerstand leistenden Gegengesellschaft war. In Slowenien gab es keine klerikale Atmosphäre; das Land strebt nach säkularer, westeuropäischer Modernität. Dazu kommt, dass die slowenische Kirche durch das Finanzdesaster der zurückliegenden Jahre schwer angeschlagen und geschwächt ist. Bemerkenswert ist darum, dass der Erzbischof von Ljubljana, Stanislav Zore, mutig Position bezog und sich an die Spitze der Gebetsbewegung für die Ehe stellte. Bewundernswert ist auch, dass das von katholischen Laien gegen Regierung und Parlament erzwungene Referendum nicht zu einer Minderheiten-Feststellung geriet, sondern zum Sieg für Ehe und Familie.