Im Blickpunkt: Ein Programm der Erneuerung

Von Markus Reder

Jetzt recken sie wieder ihre Hälse, die Hohenpriester der Kirchen- und Papstkritik. Es sind immer die gleichen, die reflexartig hochschnellen, wann immer sich Gelegenheit bietet, gegen Rom zu stänkern. Dann tauchen sie auf die Küngs, die Geißlers, die Berufskritikaster und ihre medialen Trittbrettfahrer. Diesmal ist die Gelegenheit besonders günstig. Am Wochenende schaut die katholische Welt (und nicht nur die) nach Rom: Benedikt XVI. spricht seinen Vorgänger Johannes Paul II. selig. Wer mit der Kirche glaubt und denkt, wird sich freuen. Wer anders tickt, schiebt Frust. Sollen sie grollen und Gräber des Trübsinns schaufeln. Die Kirche jubelt und sie hat allen Grund dazu.

Diese Seligsprechung ist kein Event, um sich an der Größe dieses unbestritten historischen Pontifikates zu berauschen und sich so über die tiefe Krise, die die Kirche derzeit durchlebt, mal schnell hinwegzutrösten. Das wäre billig und falsch und würde weder der Intention einer Seligsprechung, noch dem neuen Seligen gerecht werden.

Die Besonderheit dieses Augenblicks liegt in seiner Zeichenhaftigkeit. Wenn Benedikt XVI. am Sonntag seinen Vorgänger zur Ehre der Altäre erhebt, wird in diesen beiden Päpsten zeichenhaft sichtbar, wie Erneuerung gelingen kann. Das reiche Erbe Johannes Pauls II. und das Pontifikat das deutschen Pontifex bilden eine Einheit. Mit dem Lebenswerk des seligen Johannes Paul II. und der Lehre des Theologen-Papstes Benedikt liegt die Roadmap der Erneuerung vor. Man muss sie nur lesen und sich danach richten wollen. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch zugespitzt. Der Relativismus in Europa entwickelt zusehends totalitäre Züge. Ein aggressiver Laizismus ist auf dem Vormarsch. Der Kirche weht ein eisiger Wind ins Gesicht. Die größte Gefahr aber kommt von innen. Wo das Christusbekenntnis innerhalb der Kirche verblasst, wo Meinung anstelle von Wahrheit tritt, da verkommt die Theologie, da verwahrlost der Klerus, da verliert Kirche ihre Strahlkraft, ihre Begeisterungs- und nicht zuletzt auch ihre Dialogfähigkeit. Da verliert sie die Kraft, Menschen zu verändern und Gesellschaft zu gestalten. Sie wird zum Selbstbeschäftigungsbetrieb, zur Selbstbespiegelungsagentur. Eine Kirche, die nicht glaubt, dient zu nichts. Das Gegenprogramm liegt in der radikalen Hinwendung zum Glauben an Jesus Christus, wie ihn die Kirche von Anfang an bis heute verkündet. Johannes Paul II. hat das bis zum Äußersten gelebt. Benedikt XVI. lehrt es in Wort und Tat. Gemeinsam weisen sie den Weg in die Zukunft.