Im Blickpunkt: Angst vergiftet das Klima

Von Guido Horst

Ein kurzes Telefonat mit einem Mitarbeiter der Glaubenskongregation – ein paar kurze Fragen und freundliche kurze Antworten. Am Ende sagt der Geistliche: „Und beten Sie für uns.“ Wie sich die Dinge doch ändern. Früher musste man für die beten, die ins Visier der römischen Glaubenswächter geraten waren. Heute bitten die Monsignori im Hause von Kardinal Gerhard Müller selber um das Gebet. Aber nicht nur in der Glaubenskongregation wächst die Unruhe. In vielen Dikasterien des Vatikans und in manchen angeschlossenen Institutionen herrscht Verunsicherung. Das liegt nicht nur an der Kurienreform, die es mit sich bringt, dass Zuständigkeiten neu zu ordnen und viele Personalfragen zu klären sind. Allein das Mediensekretariat hat nach der Zusammenlegung aller Einrichtungen des Heiligen Stuhls für Kommunikation und Öffentlichkeit einen Mitarbeiterstab von etwa 650 Personen. Das kann nicht so bleiben und viele werden ihre Schreibtische wechseln müssen. Und manche Ordensleute und Priester, die in den nun zusammengelegten Päpstlichen Räten gearbeitet haben, haben allen Grund sich zu fragen, ob sie in Rom noch eine Zukunft haben. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass Papst Franziskus nicht zimperlich ist, wenn es darum geht, Personalien in seinem Sinne zu entscheiden. Kardinal Raymond Burke musste seinen Schreibtisch als Präfekt des Vatikangerichts der Apostolischen Signatur räumen. Die Leitung des bei der Lateran-Universität angesiedelten Familieninstituts wurde ausgetauscht und der Akademie für das Leben unterstellt. Zuletzt mussten drei einfache Mitarbeiter der Glaubenskongregation ihre Koffer packen, weil sie sich kritisch über Franziskus geäußert hatten und irgendwer das dem Papst zugetragen hat. Man kann das Verunsicherung nennen, was die Stimmung in der römischen Kurie angeht. Aber manche sprechen von Angst.

In Flurgesprächen oder bei Tisch auch einmal Kritik am amtierenden Papst zu üben, war ein mildes Vergehen, das die Nachfolger Petri geduldig ertragen haben. Geahndet wurde der klare Vertrauensbruch, etwa die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten an Journalisten. Aber der Fall der jetzt auf Wunsch von Franziskus entlassenen Mitarbeiter der Glaubenskongregation zeigt, dass jetzt offensichtlich die Säulen Ohren erhalten und man sich nicht mehr sicher ist, was die Vorgesetzten und nicht zuletzt die Nummer eins an Indiskretionen erreicht. Franziskus hat selber üble Nachrede und das Geschwätz über andere angeprangert. Aber genau diese Krankheit scheint in den Vatikan zurückgekehrt zu sein. Angst ist kein guter Ratgeber. Sie vergiftet das Klima.