Im Blickpunkt: Allzeit bereit für den Durchmarsch

Wenn Benedikt XVI. in der kommenden Woche nach Frankreich reist, ruht das politische Leben in Paris noch. Der Papstbesuch fällt in die letzten Tage der französischen Parlamentsferien – und die Sommerpause stand in diesem Jahr im Zeichen eines Paukenschlags: Ende Juli entließ Sarkozy die katholische Nummer eins der französischen Politik, Emmanuelle Mignon (40) und ernannte den 66-jährigen Christian Frémont zu ihrem Nachfolger.

Die Kabinettschefin war über einen Fauxpax gestolpert. Im Februar hatte sie in einem ihrer seltenen Interviews abgestritten, dass Sekten Frankreich Probleme bereiteten. Nach dem Aufschrei der Laizisten galt Mignon im Elyseepalast trotz Dementi als reif für die Absetzung. Bis dahin war die promovierte Absolventin der Elitehochschule ENA nicht nur aufgrund ihres Alters die ungewöhnlichste Erscheinung in Sarkozys engstem Mitarbeiterstab gewesen. Frankreichs Medien sahen in der ehemaligen Pfadfinderin sogar die katholische Souffleuse des Staatschefs. Aus ihrer Feder stammten mehrere Ansprachen Sarkozys zum Thema Religion, die der französischen Linken das Blut in den Adern gefrieren ließen: Beim Staatsbesuch in Rom 2007 etwa, als Sarkozy in der Lateranbasilika von Frankreichs christlichen Wurzeln sprach. Und ohne Rücksicht auf laizistische Empfindlichkeiten unterstrich, dass er „Wert darauf lege, die Stimmen jener zu hören, die von einem spirituellen Engagement getragen werden“. Auch Sarkozys Buch „Die Republik, die Religionen, die Hoffnung“ ging auf Mignons Initiative zurück. Es fasst Gespräche zusammen, die Sarkozy mit einem persönlichen Freund der Politikerin, dem Dominikaner Philippe Verdin und dem Philosophen Thibaud Collin führte. Sarkozy entwickelt darin die Idee einer „positiven Laizität“ im Gegensatz zu einer „aggressiven und sektiererischen Laizität“. Auf Worte ließ der Präsident Taten folgen und gratulierte dem Pariser Erzbischof Vingt-Trois mit einer Rede zur Kardinalswürde – eine Ehrerweisung, auf die Sarkozys Vorgänger verzichtet hatten.

„Der liebe Gott wohnt im Elyseepalast“, lästerten Medien und fanden im Lebenslauf Mignons außer brillanten Abschlüssen den Besuch einer katholischen Privatschule, einige Semester Theologiestudium und Freundinnen, die in Paray-le-Monial eingetreten waren. Nun hat der Staatschef sie abgesetzt, aber nicht fallengelassen. Als persönliche Beraterin Sarkozys behält Mignon ein Büro im Elyseepalast. Berater des Präsidenten können aber zeitweise mehr Einfluss ausüben als Minister – vorausgesetzt, sie sind allzeit bereit für den Durchmarsch. Regina Einig