Hubertus Knabe war der Linken ein Ärgernis

Hubertus Knabe wird nicht mehr als Leiter in die Gedenkstätte Hohenschönhausen zurückkehren – Aus Sicht des Bürgerrechtlers und CDU-Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz hätte Knabe mehr Unterstützung verdient. Von Stefan Rochow

Hubertus Knabe war der Linken ein Ärgernis
Hubertus Knabe war seit 2000 Direktor der Gedenkstätte. Foto: dpa
Hubertus Knabe war der Linken ein Ärgernis
Hubertus Knabe war seit 2000 Direktor der Gedenkstätte. Foto: dpa

Mitte Dezember haben sich die Stiftung der Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen und der ehemalige Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe auf einen Vergleich geeinigt. Beide Seiten hätten sich nach einem langen Streit auf einen Kompromiss geeinigt, um die „erfolgreiche Arbeit der Gedenkstätte nicht durch langwierige juristische Auseinandersetzungen zu belasten“, heißt es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Über den Inhalt des Vergleichs haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Hubertus Knabe hatte die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen 18 Jahre als Direktor geleitet. Die Gedenkstätte befindet sich im berüchtigten früheren Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit (Stasi) der DDR, das diese von 1951 bis 1989 betrieb.

Hubertus Knabe war Sprachrohr der Stasi-Opfer

Seit September schwelte der Konflikt zwischen Hubertus Knabe und dem Stiftungsrat der Gedenkstätte. Dieser kündigte dem Direktor ordentlich und stellte ihn frei. Knabe war vorgeworfen worden, nicht entschieden gegen sexuelle Belästigungen von Frauen in der Gedenkstätte vorgegangen zu sein. Er wies diesen Vorwurf zurück. Verantwortlich soll sein Stellvertreter gewesen sein. Brisanz bekam der Fall damals vor allem deshalb, weil Vorsitzender des Stiftungsrates Berlins Kultursenator Klaus Lederer ist. Lederer ist Mitglied der Partei „Die Linke“. Kritiker der Entscheidung witterten eine politische Intrige gegen den Direktor der Gedenkstätte, der sich in der Vergangenheit immer wieder zum Sprachrohr und Anwalt der Stasiopfer gemacht hat. Knabe hatte stets die Linke scharf wegen ihres Umgangs mit der DDR-Vergangenheit kritisiert.

Wie nötig diese Kritik ist, zeigt ein Vorfall, in den Lederer damals verwickelt gewesen war. Der damalige Landesvorsitzende der Linkspartei Lederer schrieb 2007 als Reaktion auf den Tod von Stasigeneraloberst Markus Wolf über den Chef des DDR-Auslandsnachrichtendienstes in einer Anzeige im Parteiorgan „Neues Deutschland“ als „einen streitbaren Kämpfer, der aufrecht durch sein Leben ging“. Für die Opfer des SED-Regimes dürften solche Trauerbekundungen ein Schlag ins Gesicht sein. Nun ist Lederer Kultursenator und Vorsitzender des Stiftungsrates, der die Abberufung Knabes beschlossen hat.

Strategie der Stasi-Verharmlosung

Für den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag Arnold Vaatz ist die Motivation hinter der Abberufung klar. „Knabe war ein Ärgernis, weil seine Interpretation der Gedenkstätte eine Interpretation aus der Sicht der Opfer war, denen das Gedenken dieser Stätte gewidmet ist. Damit passte er weder in die Strategie des Spurenverwischens, die seit der Aktenvernichtungsaktion Ende November/ Anfang Dezember 1989 umgesetzt wird, noch in die Strategie der Verharmlosung der Verstrickung westdeutscher Eliten in die Machenschaften der Stasi, wie sie durch Joachim Gauck und Marianne Birthler betrieben wurde“, so der sächsische Bundestagsabgeordnete, der selber ein ehemaliger DDR-Bürgerrechtler ist.

Dass Lederer für dieses Unterfangen auch den brandenburgischen CDU-Landtagsabgeordneten Dieter Dombrowski, der auch Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft ist, und Bundeskulturministerin Monika Grütters gewinnen konnte, die als eine enge Merkel-Vertraute gilt, ist für Arnold Vaatz eine „diplomatische Meisterleistung“.

Kampf um die Deutungshoheit

Für den Ehrenvorsitzenden der Opferverbände Horst Schüler ist es unverständlich, dass Dombrowski die Abberufung Knabes in seiner Funktion als Mitglied des Stiftungsrates mit unterstützt hat. Er sieht in den Vorgängen rund um die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen einen Kampf um die „Deutungshoheit der kommunistischen Verbrechen“. In einem offenen Brief an Dombrowski schreibt der ehemalige Journalist Schüler, der Träger des renommierten Theodor-Wolff-Preises ist: „Es würde uns zutiefst schmerzen, wenn wir mit ansehen müssten, dass diese Deutungshoheit der Partei überlassen wird, die in ihrer Geschichte für eine alle Menschenrechte verachtende Gewaltherrschaft Verantwortung zu tragen hat.“

Knabe hat die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen zu einer der wichtigsten Bildungseinrichtungen in puncto DDR-Geschichte gemacht. Auch international war der Gedenkstättendirektor ein gefragter Gesprächspartner. So haben sich beispielsweise Bürgerrechtler aus Lateinamerika unter anderen in der Stasi-Gedenkstätte zeigen lassen, wie man mit den Hinterlassenschaften eines totalitären Regimes umgeht und wie man eine solche Vergangenheit aufarbeitet.

Dass der Abschied von Hubertus Knabe nun endgültig zu sein scheint, schmerzt Arnold Vaatz. „Es ist tragisch, dass ihm mit der Zuversicht am Ende auch die Kraft fehlte, die Auseinandersetzung um sein Lebenswerk weiterzuführen und zugleich menschlich verständlich, dass er sich nach Ruhe sehnte und den Kampf beendete.“

Und der Bundestagsabgeordnete schiebt nach: „Interessant wird sein, wie lange die Opfer von SED und Stasi sich noch von Birthler und Dombrowski weismachen lassen werden, dass diese Leute ihre Interessenvertreter wären.“