Hilfe, die SPD wählt Merkel

Beck stürzt ab – Die Kanzlerin sonnt sich in ihren Umfragewerten – Kann die CDU mehr wollen?

Von Markus Reder

Die schlimmsten Momente im Leben eines Spitzenpolitikers sind die, in denen er bemitleidet wird. Kurt Beck erlebt das gerade. Bei derart miserablen Umfragewerten bleibt für den SPD-Chef nur noch Mitleid. Das ist hart. Ganz anders die Kanzlerin. Sie kann sich in ihren Sympathiewerten sonnen. Die CDU-Vorsitzende hat es zu einer Popularität gebracht, die ihr – so viel Ehrlichkeit muss sein – zu Beginn ihrer Amtszeit viele nie zugetraut hätten. Selbst die Anhängerschaft der Sozialdemokraten würde inzwischen mehrheitlich Merkel wählen. Das verrät die jüngste Umfrage von Infratest Dimap. Worin liegt Merkels Geheimnis? Woher diese Beliebtheit? Ist es die jüngst zur Schau getragene neue Weiblichkeit (Oslo!)? Ist es das sympathisch Tantenhafte, das so arglos, ja unschuldig daherkommt? Problemlos kann man sich vorstellen, mit Angela Merkel auf einer Terrasse in Mecklenburg-Vorpommern gemütlich Kaffee zu trinken. Dass die nette Angela eisenhart die Ellenbogen ausfährt, mag man bei so viel Behaglichkeit kaum glauben.

Merkel wirkt so ganz anders als Schröder. Und doch: In der Inszenierung dieses „Ich-bin-anders“ wird sie ihm zunehmend ähnlich. Inhalte bleiben hier wie da auf der Strecke. Alles wird austauschbar. Auch das tut ihren Umfragewerten offenbar gut.

Für die einen bleibt sie das kleinere Übel, das zwar immer größer wird, aber dennoch das kleinere ist. Für die anderen ist sie das größere Übel, das angesichts des noch größeren Übels (Beck) immer kleiner wird. Nie hat ein Unionskanzler so viel SPD-Politik gemacht. Nie war ein CDU-Kanzler so beliebt und die Partei unter ihm so derangiert wie heute. Weil aber Beliebtheit und Sympathiewerte in der Politik das Maß aller Dinge sind, müssen wir uns nur um Kurt Beck sorgen. Der CDU geht es prächtig. Sie hat ja Angela Merkel.