Heftige Kämpfe um Abidjan

Nairobi/Abidjan (DT/dpa) Im Machtkampf im westafrikanischen Elfenbeinküste rückt eine militärische Entscheidung näher. Nach einer dramatischen Nacht tobten am Freitag weiter schwere Kämpfe in der Hafenstadt Abidjan. Dabei standen sich Truppen des von der internationalen Gemeinschaft unterstützten Wahlsiegers Alassane Ouattara und der Armee gegenüber, die teils noch dem abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo die Treue hält. Ouattara rief die Armee in einer Fernsehansprache auf, die Waffen niederzulegen und einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Die Republikanischen Truppen (FRCI) hätten Abidjan erreicht, ein weiteres Blutvergießen sei sinnlos. „Ich rufe Sie auf, sich ihrem Land zur Verfügung zu stellen und zur Legalität zurückzukehren“, sagte Ouattara im Sender TCI. Mehrere hohe Offiziere von Gbagbos Armee haben dem Herrscher, der sein Amt nicht abgeben will, bereits den Rücken gekehrt. Ein Sprecher der UN-Friedenstruppen UNOCI sprach von rund 50 000 Soldaten und Offizieren, die zu Ouattaras Truppen übergelaufen seien oder die Waffen niedergelegt hätten. Anwohner berichteten über schwere Kämpfe in der Umgebung des Präsidentenpalastes, der von Rebellen attackiert wurde. Bei einer Schießerei wurde eine 30-jährige schwedische UN-Mitarbeiterin getötet, die am Donnerstag vermutlich versehentlich zwischen die Fronten geraten war. Hunderte Ausländer flüchteten französischen Medienberichten zufolge auf das Gelände französischer Truppen in Abidjan. Das schnelle Vorrücken der Ouattara-Truppen, die am Mittwoch auch die politische Hauptstadt Yamoussoukro unter ihre Kontrolle gebracht hatten, hatte viele nach dem monatelangen politischen Tauziehen überrascht. Ouattaras Sprecher Patrick Achi sagte dem Fernsehsender CNN, es werde nur noch „Stunden, vielleicht Tage“ dauern, bis Gbagbo stürzen werde. Die Armee will nicht für Gbagbo kämpfen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll Gbagbo in der Nacht zum Freitag aus dem Präsidentenpalast geflohen sein.