Hacken, säen und genießen

Traut ihnen nicht! – Wie „Focus“ und „Spiegel“ die Deutschen glücklich machen wollen

Von Guido Horst

Heute auch schon Glück gehabt? Und zwar richtig Glück! Nicht irgendwie das Gegenteil von Pech. Sondern Glück vom Feinsten, das ultimative Hochgefühl. Nicht? Dann schlag nach im „Spiegel“: „Was Glück ist – Eine Kulturgeschichte des schönsten Gefühls der Welt“, informiert das Nachrichtenmagazin. „Glück, selbst gemacht“, heißt es zeitgleich im „Focus“: „Hammer, Harke, Kochlöffel – die Deutschen entdecken den Spaß, ihr Leben in die Hand zu nehmen.“ Hacken, säen und genießen – Deutschland schwelgt im Glücksgefühl. Von den Titelseiten der auflagenstärksten Magazine wird es dem Volk der Morgenmuffel und Miesepeter jetzt einmal so richtig beigebracht: Tanzmusik im eigenen Heim, alles sät des Glückes Keim, stell dein Holzbein an die Wand, reich dem Glück die Selfmade-Hand! Tja, dumm gelaufen – meine Damen und Herrn Blattmacher bei „Focus“ und „Spiegel“. Wer am Pfingstmontag im Fernsehen das Rätselraten um den Flug AF447 von Rio nach Paris verfolgte, den wird das dumpfe Gefühl beschlichen haben, dass sich Glücks-Konjunkturen doch nicht in euren Redaktionen entfachen lassen. Die führenden Massenmedien verabreichen dem vor Fernsehen und Internet dumm geglotzten Volk ein paar Pillen Glück – und schon freut sich wieder alles im wirtschaftlichen Depri-Land? Nein, so läuft das nicht. Das Drama des Lebens sieht anders aus – siehe südlicher Atlantik. Selbsterlösung läuft eben nicht – so als könnten ein paar Körner und Gartenfrüchte oder etwas weniger Fett am Bauch das ersetzen, was dem Menschen nur von außen zukommen kann: Heil. Und das auch nur dann, wenn er danach sucht und fragt, wenn er darum bittet und betet. Glück? Schlagt nicht nach bei „Focus“ und „Spiegel“. Dann doch lieber gleich bei Mutter Kirche, der Hüterin der Geheimnisse wahren Heils.