Gute Stimmung kontra harte Inhalte und Ironie

Mit sehr unterschiedlichen Strategien ziehen die Parteien in den Plakatwahlkampf. Von Stefan Rehder

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe mag es vor allem politisch korrekt. Foto: dpa
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe mag es vor allem politisch korrekt. Foto: dpa

Kommende Woche startet in Deutschland der Plakatwahlkampf zur Bundestagswahl. Dann werden die Bürger auf Schritt und Tritt nicht nur den bereits jetzt vielerorts zur Schau gestellten Köpfen der Politiker begegnen, die sich um den Einzug in den Bundestag bewerben, sondern auch Themenplakate der Parteien begutachten können. Letztere sollen üblicherweise Wählern auf den ersten Blick klar machen, wofür eine Partei steht und warum es sich lohnt, sie zu wählen.

Dies gelingt allerdings nicht allen auf gleiche Weise. Mit Slogans wie „Gute Arbeit und neue Ideen – So bleibt Deutschland stark“, „Solide Finanzen sind wichtig – Weil wir an morgen denken“ oder „Wachstum braucht Weitblick – Und einen stabilen Euro“ will die CDU, die ihre Plakatkampagne Anfang der Woche als letzte der im Bundestag vertretenen Parteien vorstellte, offensichtlich in erster Linie für eine angenehme Atmosphäre sorgen und positive Stimmung verbreiten. Die Preisgabe konkreter politischer Maßnahmen oder gar Wahlversprechen, an denen sich der Sieger nach dem Wahltag messen lassen muss, werden vermieden. Auch die von der CDU gewählte Bildsprache kommt so zeitgeistig und politisch korrekt wie nie zuvor daher. So ist etwa die Auszubildende in einem Autowerk („Gute Arbeit und neue Ideen“) selbstverständlich eine junge Frau, gehört die Bratpfanne, mit der ein Elternteil zusammen mit einem Kind einen Pfannekuchen zum Slogan: „Jede Familie ist anders – Und uns besonders wichtig“ durch die Luft schleudert, natürlich in die Händen eines Mannes. Spezifisch christliches oder auch nur eine Andeutung des namengebenden Propriums sucht man auf den Plakaten der Christdemokraten vergeblich.

Anders die Sozialdemokraten. Auf ihren Themenplakaten wirbt die SPD überwiegend mit konkreten politischen Forderungen um die Gunst der Wähler. Mag man die auch allesamt für falsch halten – mit Slogans wie „Wir – für mehr Kitaplätze“, „Wir – für bezahlbare Mieten“, „Wir – für den gesetzlichen Mindestlohn“ lassen sich immerhin konkrete politische Forderungen für das eigene Wählerklientel verbinden, grenzt sich die Partei zu anderen ab, entsteht so etwas wie Profil. Allein der Slogan „Wir – für ein Alter ohne Armut“ bleibt ähnlich diffus wie, die Slogans, mit denen die CDU in den Plakatwahlkampf zieht.

Wer am Ende mit welcher Strategie mehr Erfolg hat, steht nicht nur auf einem anderen Blatt, sondern wird sich – da Plakate zwar ein wichtiges, aber längst nicht das einzige Instrument im Werkzeugkasten der Wahlwerbung sind – im Nachhinein kaum ermitteln lassen. Dies gilt umso mehr, als die Wahlkampfstrategen der SPD noch eine zweite Plakatserie zum Einsatz bringen wollen, mit der, statt eigene Forderungen zu bewerben, Kritik an der schwarz-gelben Bundesregierung geübt werden soll. Weil aber das Schlechtmachen des politischen Gegners – zumindest in Deutschland – schnell zu einem Bumerang werden kann, wie etwa der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Hintze mit seiner „Roten-Socken-Kampagne“ erfahren musste – lassen die Sozialdemokraten es hier behutsam angehen. Da steht dann etwa unter einem Motiv, das Kanzlerin Merkel zusammen mit Verteidigungsminister de Maiziere und Kanzleramtsminister Pofalla zeigt, die Frage: „Merkels Kompetenzteam?“

Mit Slogans wie „Die Mitte entlasten – Damit der Aufschwung weitergeht“ oder „Starke Bürgerrechte – Weil es um ihre Freiheit geht“ bestreitet die FDP in punkto Transparenz und Bestimmtheit der politischen Ziele einen Mittelweg, der zwischen CDU und SPD zu liegen kommt. Zeitgeist pur verströmt dagegen die Wahlwerbung des SPD-Wunschpartners. So enthält etwa der Slogan „Ich sag: Hello Kita“, mit dem ein Kind das Bekenntnis der Bündnisgrünen zum Ausbau von Kindertagesstätten bewirbt, eine Anspielung auf die bei Kinder-Kleider- und Spielzeugmarke: „Hello Kitty“. Und wenn einem Jungen mit scheinbaren Migrationshintergrund der Slogan: „Meine Mudda wird Chef“ in den Mund gelegt wird, wird damit nicht nur die grüne Forderung nach einer Frauenquote beworben, sondern auch das Klientel hedonistischer Bildungsbürger angesprochen, das sich mit „Mudda-Witzen“ über die Mütter von Unterschichten-Kinder lustig macht.