Griechen haben die Wahl

Athen (DT/dpa) Zum zweiten Mal binnen acht Monaten werden die Griechen am Sonntag an die Wahlrunen gerufen. Sie müssen entscheiden, wer das Land durch die schwierigeren Zeiten führen soll, die das Sparprogramm mit sich bringt: der linke frühere Amtsinhaber Alexis Tsipras (41) mit seiner Syriza-Partei oder die Konservativen der Nea Dimokratia (ND) unter Evangelos Meimarakis (61). Beide haben erklärt, dass das Land in jedem Fall eine Regierung bekommen wird, egal wie die Wahl ausgeht. Denn mehrere Regierungswechsel haben zur Destabilisierung beigetragen. Seit dem Beginn der Krise 2009 hat es bereits fünf Regierungen gegeben. Seit 2012 ist es die vierte Parlamentswahl. Die Wirtschaft ist seit 2010 um ein Fünftel geschrumpft. Jeder vierte Grieche ist arbeitslos. Fast jeder Zweite unter 25 hat keinen Job. Zudem kommen immer mehr Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland. Mehr als 300 000 Menschen sind bereits registriert worden. Täglich kommen mehr als 4 000 hinzu. Das letzte, was Europa und die NATO sich jetzt leisten können, ist eine weitere Destabilisierung des Landes, das am strategisch wichtigen Dreieck zwischen Europa, Afrika und Asien liegt. Alle Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. In den meisten hat Tsipras einen hauchdünnen Vorsprung. Die Fehlerquote erlaube jedoch nicht, ihn als wahrscheinlichsten Sieger der Wahl zu ernennen, heißt es seitens der Demoskopen. Prognosen zufolge würde es weder den Linken noch den Konservativen gelingen, die absolute Mehrheit zu erzielen. Egal, wer am Ende vorne liegt, wäre so auf eine Zusammenarbeit mit anderen politischen Kräften angewiesen. Tsipras lehnt eine große Koalition mit der Nea Dimokratia ab. Das wäre „unnatürlich“, sagte er Anfang der Woche: „Entweder wird es eine progressive oder eine konservative Regierung geben.“ Bisher hat er nur seine Bereitschaft bekundet, mit seinem bisherigen Koalitionspartner, den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen (Anel), zu koalieren.