Glosse: Zu Besuch in Europa

Wie geht man mit einer islamischen Supermacht um, die eine wichtige politische Rolle im Nahen Osten spielt, viel Geld besitzt, es aber mit den Menschenrechten nicht immer so genau nimmt? Beim Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rohani während dieser Woche in Europa konnte man drei diplomatische Varianten bestaunen. Variante 1: Die brutalstmögliche Unterwerfung. Praktiziert von Italiens Premier Matteo Renzi. Kein Wein beim Staatsbankett, holzverkleidete Götterstatuen in den Kapitolinischen Museen. Wer für einen 17-Milliarden Euro-Deal soviel Rücksicht auf die Werte des Gastes legt, darf sich fragen lassen, für welche Werte er selbst noch steht. Variante 2: Der elegante Opportunismus. Auch Frankreichs Präsident Franois Hollande will Geld vom Iran, gibt sich aber schon mit 15 Milliarden Euro zufrieden. Da Rohani auch französische Kulturgüter (Nacktbilder, Wein) nicht sehr schätzt, wurde er nachmittags empfangen – ohne großen Bilderbahnhof. Zum kleinen Geschäfts-Imbiss. Sehr geschickt, aber nicht mutig. Variante 3: Der authentische Dialog. Im Vatikan wurde Rohani von Papst Franziskus empfangen. Beim Gespräch der beiden waren alle christlichen Statuen, Bilder und Kruzifixe im Raum zu sehen. Unverhüllt. Man sprach über den bedrohten Frieden und den Terrorismus, über eine gemäßigte Politik und Gemeinsamkeiten. Es gab auch Geschenke. Franziskus bekam einen Teppich überreicht, Rohani eine Medaille vom Hl. Martin plus Enzyklika. Rohani bat den Papst um Gebet. Noch Fragen, wie man Europas Werte verteidigt? Stefan Meetschen