Glosse: Ziemlich Banane

Koksen – ein Neologismus für den Konsum von Kokain – muss ziemlich Banane sein. Das legt zumindest die Literatur nahe. Schon Sigmund Freud zeigte sich in seinem Werk „Über Coca“ enttäuscht von der Wirkung, die das Tropan-Alkaloid auf das Zentrale Nervensystem entfaltet: „Die psychische Wirkung des Cocainum“ bestehe „in einer Aufheiterung und anhaltenden Euphorie, die sich von der normalen Euphorie des gesunden Menschen in gar nichts unterscheidet.“ Zwar fehle „das Alterationsgefühl, das die Aufheiterung durch Alkohol begleitet“, auch spüre man eine „Zunahme der Selbstbeherrschung“ und fühle sich „lebenskräftiger und arbeitsfähiger“. Wenn man jedoch arbeite, „vermisst man die durch Alkohol, Tee oder Kaffee hervorgerufene edle Excitation und Steigerung der geistigen Kräfte“. Man sei „eben normal und hat bald Mühe, sich zu glauben, dass man unter irgendwelcher Einwirkung steht“, so Freud. Ganz anders dürfte es da den Mitarbeitern von fünf Supermärkten in Berlin und Brandenburg gegangen sein. Als die dort am Dreikönigstag die Bananenkisten auspackten, müssen sie wohl gedacht haben, sie halluzinierten. Denn in den Kisten fanden sie nur wenig Bananen, dafür aber viel Kokain. 140 Kilogramm der bereits gestreckten Droge im Unwert von sechs Millionen Euro konnte das hinzugerufene Landeskriminalamt sicherstellen. Irgendwer muss so Banane gewesen sein, die Abholung der Kisten im Hamburger Hafen verpennt zu haben. Doch bevor jetzt irgendwo ein Drogenboss in die Luft geht, hätten wir einen Rat: Genehmigen Sie sich doch eine „Line“. Das ist zwar ziemlich Banane, soll aber aufheitern und die Selbstbeherrschung steigern. Stefan Rehder