Glosse: Worte wie Faustschläge

Auf Französisch klingt fast alles elegant. Wenn man bedenkt, dass wir im Deutschen eines der zartesten und anmutigsten Geschöpfe der Tierwelt „Schmetterling“ nennen, dann muss man die Franzosen um ihren „papillon“, ja sogar die Briten um ihren „butterfly“ einfach beneiden. Während auf Arabisch auch die friedvollsten Gespräche (für Sprachunkundige) nach Streit klingen, entbehren französische Flegeleien nicht einer gewissen melodischen Eleganz. Die deutschen Mundarten sind da, naja – um niemanden zu brüskieren – recht verschieden. So klingt das Wienerische für deutsche Ohren offenbar immer charmant und nett. Vielleicht weil es Erinnerungen an die Sissi-Filme in der Kindheit weckt, wer weiß?

Wie manch andere Illusion, dürfte auch diese mit der aktuellen Wahl dahin sein. Mit der Wahl des „Wortes des Jahres 2016“ nämlich. Das Rennen machte: Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung. Nicht auszudenken, wie elegant das auf Französisch klänge, aber trotz aller Versuche Napoleons müssen die Österreicher nun bis 2017 mit dem deutschen Kunstwort „Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung“ leben, und bis 2022 mit den Konsequenzen derselben. Wer das lustig findet, hat wohl auch politisch 2016 mit der Alpenrepublik viel Spaß gehabt: mit dem als Baumeister verkleideten Clown Richard Lugner, der letztmals zur Wahl antrat, mit der Aufhebung der Stichwahl wegen österreichischer Schlampereien, die selbst das Höchstgericht nicht mehr spaßig fand, mit der Unfähigkeit, selbstklebende Wahlunterlagen herzustellen und der in Summe einjährigen Staatsoperette namens Bundespräsidentenwahl. Hart wie die Wirklichkeit ist das neue Wort des Jahres. Ein kleiner Trost: 2017 könnte in Frankreich der „Frexit“ das Rennen machen, und das klingt sogar auf Französisch nicht elegant. Stephan Baier