Glosse: Wir brauchen uns nicht mehr

Von Bernhard Huber

Wenn der Mensch durch die demografische Abwicklung und andere selbstgemachte Katastrophen an seiner Abschaffung arbeitet, lässt das nur eine Schlussfolgerung zu: Er braucht sich nicht mehr. Da ist es nur konsequent, den Automaten das tägliche Leben zu überlassen, die uns sowieso schon längst mit mehr als nur Zigaretten oder Naschwerk versorgen. In Japan arbeitet man an Robotern, die auf die Pflege kranker und gebrechlicher Menschen programmiert sind. Auch die spinnerte Idee einer künstlichen Gebärmutter bindet bereits erkleckliche Forschungsgelder an sich. Die Frage, ob es nicht effektiver wäre, menschenersetzenden Automaten einen Fortschritt der Familienpolitik ins Werk entgegenzusetzen, erübrigt sich angesichts dieser Entwicklung. Der besondere Reiz von Automaten liegt in ihrer Verfügbarkeit rund um die Uhr. Wenn Geschäfte schließen, weil Menschen weder ununterbrochen ver- noch einkaufen können, machen sie einfach weiter. Etwas wie einen Biorhythmus kennen sie nicht. Im Unterschied zur GDL oder zur Vereinigung Cockpit geht von ihnen auch keine Streikgefahr aus. Wenn sie eines Tages ausgemustert werden müssen, liegen sie keiner nachwachsenden Generation als Rentner auf der Tasche. So lebenswert ist die heutige Zukunft. Allerdings fehlt den humanoiden Automaten jeder Bezug zu sich selbst. Noch ist es nicht gelungen, sie mit einem selbsttätigen Immunsystem auszustatten, das die Entstehung von Defekten schon im Keim erstickt. Trotz verheißungsvoller Ansätze wird es auch noch eine Weile dauern, bis sie sich nach Bedarf selbst verschrotten oder sich für neue Aufgaben umprogrammieren. Nicht einmal der selbstreinigende Herd ist über das Stadium des Werbeversprechens hinausgekommen. Der menschliche Erfindergeist hinkt der finalen Automation sehr hinterher.