Glosse: Wenn guter Rat teuer wird

Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Das mahnend voran zu stellen, ist nicht nur aus juristischen Gründen wichtig. Sonst schreiben wir „Schröder“, und Sie denken an einen Putin-Berater und Nord Stream-Lobbyisten, dem KGB-Lakaien pralle Geldkoffer überreichen. Damit ist der Wahrheitsfindung ja nicht gedient. Unschuldig wie ein Baby müssen auch Österreichs Sozialdemokraten sein, die in 50 Jahren vier Jahrzehnte den Kanzler stellten, aber mit Klassenkampfparolen in den Wahlkampf ziehen. „Ich hol mir, was mir zusteht“, lautet die Parole, zu der je ein grinsender Arbeiter (aus dem SPÖ-Bilderbuch), eine junge Mutter (oder die Kindergärtnerin, weil Mama an der Werkbank steht) und eine ältere Dame (für die Zielgruppe der Pensionisten) zu sehen ist. Kein Wunder, dass Spötter den Spruch rasch zu den Gehältern und Pensionen von SPÖ-Kanzler Kern und Ex-Kanzler Vranitzky kombinierten. „Ich hol mir, was mir zusteht“, hat sich offenbar auch der Erfinder dieses Slogans gedacht: Der SPÖ-Wahlkampfberater Tal Silberstein wurde vor einigen Tagen in Israel verhaftet. Die Rede ist von Korruption und Geldwäsche.

Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung. Schneller als von seinem raffgierigen Slogan trennte sich die SPÖ von ihrem Berater Tal Silberstein. Da hat es Martin Schulz schwerer: Einen externen Berater wird man leichter los als einen nie um Rat und Tat verlegenen Ex-SPD-Chef und Ex-Kanzler. Gerhard Schröder – der schon war, wo Schulz gern wäre – will es sich im Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft bequem machen. „Ich würde das nicht tun“, meinte dazu Schulz, dem diese Schröder'sche Version von „Ich hol mir, was mir zusteht“, gerade gar nicht gelegen kommt. Schröder findet das blöd, will Schulz aber weiter im Wahlkampf beraten, so sagt er. Da kann guter Rat jemanden teuer zu stehen kommen. Engelbert Kouchat