Glosse: Was Ethik ist, bestimmt die Fifa

Von Stefan Meetschen

Hells Angels, Mafia, diktatorische Regierungsparteien – wahrscheinlich gibt es keine seriöse Organisation auf der Welt, die nicht ab und zu eine interne Ethikkommission einsetzt. Stimmt die Zahl der geklauten Motorräder mit dem tatsächlichen Bestand überein? Wird das Unternehmensgeld auch wirklich ordentlich geparkt und gewaschen? Sind die Wahlmanipulationsmethoden noch zeitgemäß? Von daher überrascht es nicht, dass auch der internationale Fußball-Weltverband (Fifa), der schon häufig ein Gegenstand der Berichterstattung in dieser Rubrik war, sich eine Ethikkommission genehmigt hat. Viel gab es für den Chefermittler, den amerikanischen Juristen Michael J. Garcia, sowieso nicht zu prüfen. Längst ist die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland (2018) und das traditionelle Fußballland Qatar (2022) angemessen geregelt worden. Auch die Korruptions- und Manipulations-Vorwürfe, die sich gegen den Verband richten, sind längst so transparent, dass jeder Fußball-Fan schon zusammenzuckt, wenn er nur den Namen des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter hört. Warum also dieser unnötige Eifer des Ermittlers? 75 Interviews in zehn Ländern, dazu ein 430 Seiten langer Report – jetzt sogar der Rücktritt vom Posten! Als käme es darauf an, dass ein solcher Report veröffentlicht wird oder Reformen einleitet! Aber nicht doch. Alles läuft wie geschmiert („keine gravierenden Verstöße“). Nehmen Sie also, Mr. Garcia, bitte Ihre acht Millionen Dollar Honorar und merken Sie sich eins: Was Ethik ist, bestimmt immer noch der Auftraggeber.