Glosse: Volksdroge Smartphone

Dass Alkohol die Reaktionszeiten verlängert und die Risikobereitschaft erhöht, dürfte den meisten Menschen längst bekannt sein. Wenn vermutlich auch nicht immer in welchem Ausmaß. Bereits der Genuss von einem Glas Bier führt zu einer Verminderung des Hör- und Sehvermögens und einer Verringerung von Aufmerksamkeit und Konzentration. Ab 0,5 Promille können Störungen des Gleichgewichts hinzukommen und sich das Blickfeld bis zum „Tunnelblick“ verengen. Ab 1,0 Promille beginnt das als Rausch bezeichnete Stadium, dessen Erreichen sich durch starke Gleichgewichts-, Sprach- und Orientierungsstörungen bemerkbar macht. Die Kritikfähigkeit des Betrunkenen ist jetzt stark reduziert, seine Selbstüberschätzung durch die enthemmende Wirkung des Alkoholgenusses bereits völlig übersteigert. Dass ein alkoholisierter Mensch nicht am Straßenverkehr teilnehmen soll, weil er durch verlängerte Reaktionszeiten und erhöhte Risikobereitschaft zu einer Gefahr für sich und andere mutiert, wird daher selbst einsehen, wer in der Praxis anders verfährt. Ganz anders verhält es sich jedoch leider bei der neuen Volksdroge, dem Smartphone. Obwohl bereits das Anfassen der zu Kleinstcomputers hochgerüsteten Geräte am Steuer bei Strafe verboten ist, steuern nicht nur viele ihr Fahrzeug mit dem Smartphone am Ohr, sondern lesen und schreiben sogar Textnachrichten während der Fahrt. Wenn es stimmt, dass dies einem Alkoholwert von 1,1 Promille vergleichbar ist, wäre der Fahrdienstleister von Bad Aibling beinah volltrunken gewesen. Stefan Rehder